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Andrzej Sapkowski // Der letzte Wunsch

Andrzej Sapkowskis Serie über den Hexer Geralt von Riva läuft ziemlich gut. Nicht nur als Buch, auch als Computerspiel und ab Ende 2019 auch als Netflix-Serie. Wobei sich der Erfolg letzterer natürlich erst noch erweisen muss. Mit dem Buch Der letzte Wunsch fängt alles an.

  • darum lesen: Schwertkampfaction, humorvolle Dialoge, ethisch knifflige Storys
  • darum nicht lesen: teilweise etwas platt, keine durchgehende Geschichte sondern einzelne Episoden

Ok, das mit den Episoden mag für manche eher ein Kaufgrund sein. Es handelt sich halt nicht um eine Geschichte, sondern um Kurzgeschichten, die in Polen fast alle an andere Stelle zuerst veröffentlicht worden sind. In Der letzte Wunsch verbindet Sapkowski diese Geschichten mit einer Art Rahmenhandlung. Sie setzt die erste Kurzgeschichte fort und leitet die letzte ein. Die restlichen vier Kurzgeschichten unterbrechen die Rahmenhandlung lediglich, ohne wirklich eingebunden zu sein.

Was gut ist

Das Buch zeigt gleich, warum der Hexer so gut als Computerspiel funktionierte: Geralt von Riva streift durchs Land, hofft auf Aufträge und vermöbelt Monster. Ein Questsystem in Buchfoem quasi. Dazu kommen humorvolle Dialoge (wobei die teilweise auch einfach platt sind) und ethisch kniffliche Entscheidungen, die im Buch freilich nicht der Leser treffen darf. Da bekommt Geralt den Auftrag, eine Vampirdame zu töten, die einen Zauberer verfolgt. Die Vampirdame wiederum verlangt von Geralt den Zauberer zu töten. Beide haben ihre Gründe, beide halbwegs berechtigt. Die Geschichten basieren oft auf altdeutschen Märchen und Heldensagen. Das ist ziemlich spaßig, denn Sapkowski verpasst ihnen vollkommen neue Drehs.

Interessant sind außerdem die Kämpfe, die recht detailliert beschrieben werden, dabei aber die Grenzen des Vorstellbaren ausloten. Die Serie dürfte für diese Szenen geeigneter sein.

Was nich so gut ist

Weniger gut gefallen mir die Dialoge. Ist freilich Geschmackssache. Bei Amazon und auf anderen Plattformen habe ich ausschließlich positives darüber gelesen. Spakowski bringt auf diese Weise Humor in seine Geschichten, mir ist das alles zu platt. Allerdings bin ich auch kein guter Maßstab, was Humor angeht, fast alle lustigen Bücher finde ich in erster Linie platt.

Die Plots weisen leider ein paar Ungereimheiten auf. Geralt ist eigentlich immer der abgeklärte Vollprofi. Schätzt Situationen richtig ein, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Da passt es wenig, wenn er dann vollkommen unbewaffnet zu einem Erkundungsstreifzug aufbricht und sich prompt ganz simepl übertölpeln lässt. Auch das Ende der Rahmenhandlung und der damit verbundenen Kurzgeschichte ist mir zu schwach, ich erkenne keine zwingende Motivation für eine Entscheidung, den letzten Wunsch nämlich, der sich im Endeffekt auf die gesamte weitere Hexer-Reihe auswirkt. Zugegebenermaßen kann man recht locker über diese Schwächen hinweglesen.

Tiefgreifender ist das schon das Fehlen jeglicher Charakterentwicklung. Durch seine Überprofessionalität bleibt Geralt flach. Wie der Held eines billigen Actionstreifens. Paar Sprüche kann er, eiskalt gucken auch, Monster spektakulär verkloppen. Das wars dann. Für mehr Tiefe muss der Leser zur Romanreihe greifen. Die anderen Figuren sind allerdings nicht besser. Die Priesterin darf sich gegenüber religionsfeindlicher Vernunft auslassen, ein Elf übernimmt die Rolle des vertriebenen Ureinwohners, der die Umweltzerstörung der Menschheit anprangert. Nett zu lesen, platt bleibts trotzdem.

„Ihr habt die Welt verändert. Zuerst habt ihr sie mit Gewalt verändert, seid mit ihr so verfahren wie mit allem, was euch in die Hände fiel. Jetzt sieht es aus, als ob die Welt begonnen hat, sich an euch anzupassen. Sie hat sich euch unterworfen. Ihr habt sie besiegt.“

Andrzej Sapkowski // Der letzte Wunsch
8. Auflage 2013 // 1993
Deutscher Taschenbuch Verlag
384 Seiten

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