Aristoteles, Poetik
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Aristoteles // Poetik

Aristoteles‘ Poetik ist sowas wie der erste Schreibratgeber aller Zeiten. Quasi Lektürepflicht für alle, die sich mit Text beschäftigen.

  • Darum lesen: Mehr Klassiker geht nicht unter Schreibratgebern.
  • Darum nicht lesen: gewisse strukturelle Schwächen. Interpretation bzw. Übertragung der Aussagen in heutige Zeiten notwendig.

Die Poetik von Aristoteles war vermutlich nicht zur Veröffentlichung gedacht. Es liegt nahe, dass es sich lediglich um interne Aufzeichnungen handelte, als Notizen für den Lehrbetrieb in Aristoteles‘ Schule und als Grundlage für weitere Arbeiten. Diese Aufzeichnungen bestanden wohl aus zwei Teilen, erhalten ist aber nur ein Teil. Allein diese Voraussetzungen erschweren die Lektüre der Poetik. Dazu kommt freilich noch, dass im vierten Jahrhundert vor Christus die allermeisten Textformen, die heute existieren, unbekannt waren. Es gab keine Romane, keine Ratgeber im heutigen Sinne, keinen Journalismus mit all seinen Formen. Die Aussagen beziehen sich auf das Theater und auf Dichtung und müssen insofern sowohl auf die heutige Zeit, als auch auf moderne Textgattungen übertragen werden.

Die wichtigsten Aussagen

Dennoch beinhaltet die Poetik einige wichtige Aussagen. Sie erscheinen uns teilweise als unterkomplex und selbstverständlich. Was aber nur zeiggt, wir grundlegend dieses Werk ist und welchen Einfluss diese Arbeit selbst auf modernes Texthandwerk hat. Schließlich müssen auch die einfachen Dinge beobachtet, analysiert und verschriftlicht werden. Insofern ist dieses Buch ein wahrlich grundlegender Schreibratgeber.

Zu den Aussagen gehören folgende:

  • Dichtung ist Nachahmung und Nachahmung ist eine Kunstform, die handwerklich gemeistert werden kann.
  • Jeder Text hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende.
  • Die Handlung soll diese drei Elemente verknüpfen. Sie soll außerdem Notwendig sein, also das eine aus dem anderen notwendigerweise folgern und dadurch eine Einheit bilden.
  • Die einzelnen Teile müssen in perfekter Ordnung aneinandergereiht werden. Es muss sich also ein roter Faden durch den Text ziehen. Erkennbar wird das daran, dass kein einziger Textteil an eine andere Stelle gestellt werden kann, ohne dass die Handlung durcheinander geräht.
  • Textteile, die weggelassen werden können, ohne erkennbare Folgen für die Handlung sind kein Teil des Ganzen und müssen insofern weggelassen werden.

Meine Ausgabe

Meine zweisprachige Reclam-Ausgabe ist sicherlich nicht übermäßig schön, aber ich mag die Reihe halt einfach. Insbesondere, weil die kleinen Büchern fast immer in die Hosentasche passen. Und nebeneinander im Regal sind die Reclamhefte ein gewisses Understatement. Die Poetik gibts in der zweisprachigen Ausgabe. Nun, ich kann kein Griechisch. Habs mir trotzdem zugelegt.

Im Anhang gibts noch eine recht ausführliche Einordnung des Werkes vom Altphilologen Manfred Furhmann. Definitiv lesenswert, auch wenn er sich in erster Linie historisch mit dem Text beschäftigt, nicht hinsichtlich einer schreiberischen Tätigkeit.

Aristoteles // Poetik
Reclam-Ausgabe 2005, 1982 // 335 v. Chr.
Reclam
178 Seiten

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