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Bas Kast // Der Ernährungskompass

Das Fazit aller Ernährungsstudien. Hui. Steile Aussage, schwer überprüfbar. Aber von mir aus müssen es auch gar nicht alle sein. Mir reicht ein neutraler Blick über den Stand der Erkenntnisse vollkommen. Und genau den liefert Bas Kast.

  • Darum lesen: sehr ausdifferenziert, sehr sorgfältig recherchiert.
  • Darum nicht lesen: dennoch halt nur die Meinung eines Autors, zum Teil so ausdifferenziert, dass die Aussage verlorenzugehen droht.

Bas Kast hat durchaus eine Meinung. Er käut nicht nur die Erkenntnisse von Studien wieder. Er ordnet ein, bewertet, sortiert. Er hat halt Vieles ausprobiert und ernährt sich jetzt auf eine bestimmte Weise. Insofern ist das Buch natürlich nicht wirklich neutral. Aber immerhin schlägt er sich nicht auf die Seite bestimmter Ernährungspostulate. Er gibt es zu, wenn er etwas nicht weiß und nur Vermutungen aufstellt. Er gibt auch zu, wenn Erkenntnisse fehlen und verzichtet auf Polemik und Rechthaberei. Das ist meines Erachtens extrem viel Wert.

Allein deshalb bin ich schon Fan vom Bestseller Ernährungskompass. Habe nicht das Gefühl, dass mir hier etwas übergestülpt wird, sondern dass ich so gut informiert werde, dass ich an jeder beliebigen Stelle auch anderer Meinung sein kann als Bas Kast – und dennoch vom Buch profitieren kann.

„Dieses Buch ist eine Entdeckungsreise in die Welt der Ernährungs- und Altersforschung. Es fügt das, was man in den vergangenen Jahrzehnten in Labors, Kliniken, Experimenten und bei der Beobachtung besonders langlebiger Völker über eine gesunde Ernährung herausgefunden hat, zu einem Gesamtbild zusammen.“

Anstrengende Differenziertheit

Aber genau wegen seiner Stärke, der Differenziertheit, ist das Buch manchmal auch etwas anstrengend. Mann muss selbst mitdenken und auch eigene Entscheidungen treffen. Eine typische Erzählette sieht so aus:

  • Zu viel Alkohol schadet dem Körper …
  • … in geringen Maßen allerdings ist Alkohol sogar sehr gesund …
  • … allerdings nur für Menschen ab einem gewissen Alter …
  • … und wer nur ein bisschen zu viel trinkt, schadet sich umgehend selbst.

Das alles über viele Seiten ausformuliert, gut belegt und argumentiert. Ich werde als Leser ganz schön hin- und hergeführt. Wer also klare Aussagen und einen bestimmten Diätplan sucht, ist hier an der falschen Adresse. Dann laut Bas Kast gibt es keine richtige Ernährung, die für alle Menschen in jeder Lebenslage gleichermaßen gilt.

„Der Versuch, eine perfekte Ernährungsweise zu bestimmen, die universell für uns alle gilt, [ist] nicht nur ein Ding der Unmöglichkeit, sindern sogar kontraproduktiv.“

Aus diesem Grund ist der Ernährungskompass auch kein Buch für Fleischesser, Veganer oder Vegetarier. Kast gewinnt jeder Ernährungsweise etwas ab und glaubt, dass man sich auf jede Weise gesund ernähren kann. Andererseits entdeckt er auch bei jeder einseitigen Ernährungsweise etwas Schlechtes.

12 Ernährungsregeln

Die wichtigsten Erkenntnisse des Ernährungskompass fasst Bas Kast zu 12 Ernährungsregeln zusammen. Wer mag, liest sich diese in der Buchhandlung oder hier auf dem Blog fix durch und verzichtet auf das Buch:

  1. echtes Essen (also möglichst wenig verarbeitet) essen
  2. hauptsächlich Pflanzen essen
  3. lieber Fisch als Fleisch
  4. Joghurt und Käse, aber keine Milch
  5. Zucker minimieren
  6. keine Angst vor Fett, aber Transfette meiden
  7. Eiweiß futtern, um satt zu werden
  8. wenig Kohlenhydrate, um abzunehmen
  9. tagsüber Mahlzeiten auslassen, um abzunehmen
  10. Omega-3 essen
  11. keine Vitaminpillen oder Nahrungsergänzungsmittel
  12. Essen genießen

Nun sind diese Regeln nicht neu. Vieles davon liegt auch extrem nahe. Aber aus genau diesem Grund sollte man das Buch dann halt doch lesen, denn darin steht, warum viele der Dinge, die eigentlich eh scon irgendwie klar waren, stimmen und warum sie so gesund sind. Der Ernährungskompass geht intensive auf diese Regeln ein, erklärt, wie sie zustandekommen und hilft dabei, neue Ernährungsstudien einzuordnen.

Abnehmen, länger leben

Auch wenn die gesunde Ernährung im Vordergrund steht: Das Buch hat zwei weitere Ansätze: das Leben verlängern und Abnehmen. Zumindest sind das die Maßstäbe anhand derer Lebensmittel bewertet werden. Ob gewisse Lebensmittel tatsächlich gesund machen oder nur das Leben verlängern ist nicht immer klar.

Der Aufbau des Buches

Das Buch orientiert sich in erster Linie an den wichtigsten Bestandteilen von Essen:

  • Kohelnhydrate
  • Fette
  • Proteine
  • Balaststoffe und Alkohol (gibts noch mehr?) kommen am Rande vor

Alle drei bekommen mehrere Kapitel spendiert, zwischenrein gibts Sonderkapitel, beispielsweise eines zum Zeitfasten, bzw. dem Intermitted Fasting. Damit der Leser das Geschriebene besser einschätzen kann, gibt es jeweils einen Kompass für Proteine, Fette und Kohlenhydrate. Da lese ich dann ab, dass Vollkornbrot gute Kohlenhydrate hat, Pommes eher weniger gute.

Eines ist dann aber doch nicht gelungen: Bas Kast bemängelt, dass schlaue Diäten zwar verraten, wie man schlank wird. Nicht aber, wie man gesunde Ernährung durchhält. Und genau das verräht er leider auch nicht.

„Jeder muss seinen eigenen Weg finden zwischen Genuss und Gesundheit.“

Der Autor

Bas Kast ist Wissenschaftsjournalist. Und das sagt im Grunde auch schon alles über seine Arbeitsweise aus. Er forscht nicht selbst, sondern sammelt und wertet aus. Grad bei diesem Thema half ihm sicherlich sein Biologiestudium; außerdem studierte er Psychologie. Um diese beiden Kernthemen drehen sich viele seiner Veröffentlichungen.

Die Idee zum Buch bekam er aufgrund seiner eigenen Geschichte. Der Geschichte eines an sich schlanken und sportlichen jungen Mannes, der sich für super fit hielt, aber der aufgrund seiner schlechten Ernährung plötzlich massive gesundheitliche Probleme bekam.

Bas Kast // Der Ernährungskompass
32. Auflage, 2018
C. Bertelsmann
292 Seiten

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