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Bob Hazlett // Himmlisch denken

Bob Hazlett will uns helfen, mehr aus einer himmlischen Perspektive zu denken; aus einer göttlichen Perspektive. Er folgt damit einer bestimmten theologischen Richtung, die insbesondere von der sehr erfolgreichen evangelikalen Bethel Church rund um Bill Johnson ausgeht. Der schrieb passenderweise auch das Vorwort zu diesem Buch.

  • darum lesen: leidenschaftliches Plädoyer für einen prophetischen Lifestyle
  • darum nicht lesen: leider etwas konfus und insbesondere die deutsche Ausgabe ist voller Fehler

Einer der Leitsätze der Bethel Church sind drei Worte aus dem Vater Unser:  „Wie im Himmel“ . Da ist sie wieder, die himmlische Perspektive. Und mit Blick aus dieser Perspektive verschwinden Leid und Schmerzen, negative Umstände in der Zeit. Was ist selbst ein ganzes Leben voller Unglück verglichen mit der Ewigkeit? Welche Probleme sollten für einen ewigen, allmächtigen Gott tatsächlich Probleme sein? Es geht hier aber nicht um die Relativierung von Leid und Unglück, sondern um konkretes Handeln, insbesondere konkretes Leiten und Führen Gottes. Denn wer sich leiten lässt, kommt dorthin, wohin Gott ihn führt, in ein Leben in Überfluss. Nur, wie genau soll man sich führen lassen?

Bob Hazlett gibt grob gesagt folgende Antwort:

  • Jesus Christus ist gestorben und hat es dadurch jedem Menschen ermöglicht, ganz nah bei Gott zu sein.
  • Diese Tatsache muss man glauben und sie sich immer wieder bewusst machen. Besonders einfach geht das beispielsweise in Anbetungszeiten.
  • Außerdem kann jeder Mensch Jesu Opfer für sich annehmen und dadurch alles, was ihn von Gott trennt, abgeben. Das bedeutet insbesondere, um Vergebung für seine Sünden zu beten, sie abzugeben und auch anderen zu vergeben.
  • In dieser Nähe kann man sich von Gott besonders leicht Dinge zeigen lassen; und das kann bedeuten, seine Vorstellungskraft wandern zu lassen.
  • Letztendlich geht es darum, die Eindrücke, die man in der Zeit mit Gott hat, anzunehmen und ihnen Raum zu lassen. Es geht darum, zu glauben, dass sich Träume, Vorstellungen und Visionen tatsächlich realisieren werden und dementsprechend zu handeln.
  • Das Ganze ist allerdings ein Trainingsprozess und erfordert besagte, gelebte Gottesnähe.

Ich finde diesen Ansatz gar nicht schlecht. Vielen ist er sicherlich zu abgedreht, aber ich glaube daran, dass Gott so konkret in unser Leben eingreift. Es erscheint mir auch logisch, dass wir bewusst auf Gott hören müssen und lernen müssen, gehorsam zu sein. Allerdings kommt mir gerade dieses Lernen müssen zu kurz. Ja, Bob Hazlett erklärt, erzählt und behauptet viel, aber da ist wenig dabei, was ich selbst ausprobieren kann. Am Ende jedes der elf Kapitel gibt es fünf Fragen, das wars.

Bob Hazlett schreibt oft etwas abgehoben und unkonkret, vielleicht geht das bei so einem Thema nicht anders.

„Das Blut Jesu erzeigt neue Nervenbahnen, die Gerechtigkeit heißen. Sie führen dazu, dass wir Seine Gerechtigkeit bewusster wahrnehmen als unsere Sünde. Dies beeinflusst die Art, wie wir Gott, uns selbst und einander sehen.“

Das kann man schon einfacher ausdrücken. An einer anderen Stelle versucht Hazlett verzweifelt, einen Unterschied zwischen Fantasie und Vorstellungskraft herbei zu definieren. Er scheitert meines Erachtens aber, weil es diesen Unterschied halt einfach nicht gibt. Erschwerend schreibt der Autor auch immer von „Ihm“ und „Er“, anstatt einfach von Gott. Das führt zu Bezugsfehlern und Verständnisschwierigkeiten.

 

Zu dem etwas schwammigen Stil kommt auch noch eine furchtbare Übersetzung. Da wird schon mal „well known“ mit „gut gekannt“ übersetzt. Brrr. Überhaupt scheint sich der Verlag mit dieser deutschen Ausgabe keine große Mühe gemacht zu haben. Das Layout ist mies und der Text falsch gesetzt: Beispielsweise wird eine nummerierte Aufzählung mehrere Seiten später einfach fortgesetzt, obwohl es zwischen den beiden Listen keinen inhaltlichen Zusammenhang gibt.

Eine letzte Schwäche: Mehr konkrete Tipps wären eine super Sache gewesen. Als Ergänzung würde ich deswegen Johannes Hartls Einfach Gebet empfehlen. Darin gibt’s eine Reihe von Gebetsübungen, die helfen können, mit Gott ins Gespräch zu kommen.

Wer sein denken ändern möchte oder sich über Prophetie informieren möchte, dem kann ich das Buch trotz allem empfehlen. Nach Möglichkeit aber lieber auf Englisch lesen.

Bob Hazlett // Himmlisch denken
Deutsche Ausgabe 2017 // 2015
Grain-Press // Whitaker House
311 Seiten

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