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Micha Black // Wolfssaison

Ein Werwolf mordet sich durch die Modeszene von Paris. Klingt irgendwie nach trashigem Horror, ist aber eine Who-Done-It-Kriminalgeschichte. Trotz einiger Schwächen kann es das Buch mit den üblichen Verdächtigen eines jeden Krimiregals einer Buchhandlung aufnehmen. Darum lesen: ganz angenehme, unspektakuläre Unterhaltungsliteratur Darum nicht lesen: anspruchsvolle Leser werden sich von mittelmäßigen Dialogen und einigen kleinen Fehlern abgelenkt fühlen Wolfssaison ist einerseits ein ganz typischer Krimi. Die junge Komissarin Claire mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn und unorthodoxen Methoden bekommt Schwierigkeiten mit ihrem Vorgesetzten. Sie kriegt dann doch nochmal eine Chance, der Fall entpuppt sich als außerordentlich schwierig. Sie hat erste Erfolge, dann kommen die Erlittlungen ins Stocken, und schließlich kommt natürlich der Durchbruch. Quasi Standardplot. Der Leser darf sich fast die ganze Zeit zusammen mit der Kommissarin fragen, wer wohl der Werwolf ist. Weite Teile hat der Leser den gleichen Wissensstand wie sie, am Ende verheimlicht uns der Autor dann einige Dinge, die Claire weiß. Schon ok, dadurch ist das Buch spannend, aber in richtig guten Büchern kann der Autor sowas vermeiden. Natürlich gibt’s eine kleine Liebesgeschichte, die allerdings …

Rabindranath Tagore // Gitanjali

Tagore war der erste Autor außerhalb Europas, der den Literaturnobelpreis erhielt. Das allein ist ein Grund, sein Buch Gitanjali zu lesen. Das erste Werk, das er auf englisch verfasste. Darum lesen: spirituelle Prosa eines bedeutenden Intellektuellen, wichtiges aber recht unbekanntes Werk der Literaturgeschichte Darum nicht lesen: thematisch recht eintönig Den Gedichtband Gitanjali gibt es auch auf bengalisch. Dieses Werk hat allerdings wenig mit dem englischsprachigen Gitanjali zu tun. Tagore übersetzte eine Auswahl seiner Gedichte und Lieder selbst ins englische, wechselte dabei von lyrischen in prosaische Textformen. Was dabei herauskam, sind recht poetische, kurze Texte, denen man ihre Vergangenheit als Gedichte durchaus anmerkt. W.B. Yeats war dermaßen begeistert von diesem Werk und seinem Autor, dass er die Veröffentlichung vorantrieb. In dem Büchlein sind etwa 100 Texte, fast alle spirituell angehaucht. Da ist es kein Wunder, dass er in Europa als „mystischer Heiliger aus dem Osten“ rezipiert wurde. Die Texte richten sich fast alle an ein nicht genau beschriebenes Gegenüber, ein Freund, ein Liebhaber, ein Schöpferwesen. Die Dialoge sind eigentlich gar keine, denn die Aussagen, Fragen, Klagen …

Titus Müller // Des kleine Buch für Lebenskünstler

Titus Müller ist ein recht erfolgreicher und umtriebiger Schriftsteller. Offenbar hat er auch bereits ein paar Lebensweisheiten gesammelt. In seinem kleinen Buch für Lebenskünstler gibt er diese weiter. Leider bleibt das gesamte Buch konstant an der Oberfläche. Darum lesen: wenn man auf Postersprühe steht, kann einem dieses Buch das Herz erwärmen Darum nicht lesen: Okay, tiefer als Postersprüche ist dieses Buch schon. Aber dennoch wirklich sehr flach. Die kleinen Dinge schätzen lernen, Dankbar sein, zur Ruhe kommen. Ja, natürlich hilft das. Haben aber schon hunderte gesagt. Titus Müller halt jetzt auch in seinem Büchlein. Aber äußerst sparsam, 40 Kapitelchen auf nichtmal 150 Seiten. Gut, muss nicht immer ein Wälzer sein und manche Dinge hat man ja tatsächlich in wenigen Sätzen gesagt. Ob Titus Müller mehr zu sagen hätte, weiß ich nicht. Und was gerade ihn dazu befähigt, Lebenstipps zu geben, weiß ich auch nicht. Das heißt nicht, dass das, was er sagt, nicht richtig wäre. Passt schon alles. Aber mir wäre halt etwas mehr Tiefe lieb gewesen. Oder sagen wir: jedes Kapitel könnte man auch …

Wally von Wallisburg // Die Eismumie

Wie starb Ötzi? Wurde er ermordet? Warum und von wem? Der erste Cold Case der Geschichte, witzelt Wally von Wallisburg – und gibt satirische Antworten. darum lesen: schön abgedreht und unkonventionell darum nicht lesen: fremdenfeindlich, wenn nicht gar rassistisch, mit Fehlern gespickt Satire darf alles, heißt es. Finde ich zwar nicht, aber gut, wollen wir mal nicht so sein und diese Prämisse dem Buch zugrunde legen. Dann ist Die Eismumie eine abgedrehte Kurzgeschichte voller politisch unkorrekter Äußerungen. Allerdings ohne jeglichen Spannungsbogen oder das überhaupt irgendetwas passieren würde. Es ist eher ein satirischer Essay. Die Frage, wie Ötzi denn nun wohl gestorben ist, ist dabei nur ein Vehikel, mit dem Wallisburg seine fremdenfeindlichen und verschwörungstheoretischen Thesen transportiert. Ziemlich dünn das alles. Kennt man so oder so ähnlich von der AfD und einigen ihrer Wähler. Wir sind also von Umvolkung bedroht. Und das sei ja nur eine Wiederholung der Geschichte. Ötzi steht quasi für Deutschland oder aber gleich das ganze Abendland nördlich der Alpen. Er wurde zwar nicht von Afrikanern getötet, sondern aus versehen von seinem Sohn, …