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Catherine R. Striker // Die verlorene Erinnerung

Jane Austen mit etwas Magie. Klingt eigentlich nicht schlecht. Die mittelfränkische Autorin Catherine Striker baut ihr Buch Die verlorene Erinnerung auch noch um eine interessante zentrale Botschaft auf. Ein vielversprechendes Debüt – das sein Potenzial allerdings nicht ausschöpft.

  • darum lesen: ein bisschen Romantik, etwas Magie, gut gebaute Story
  • darum nicht lesen: es fehlt halt überall ein bisschen

Ein dummer Fehler von Richard. Und anstatt seinen Sohn fünf Minuten in der Zeit zurück zu schicken, landet James gleich zehn Jahre in der Vergangenheit. Wie Ebenezer Scrooge in Dickens Christmas Carrol bekommt James die Chance, sein Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen – und das verändert alles. Schnell verwickelt er sich in die Stränge der Zeit und verändert die Zukunft, bevor sein Vater ihn genau dorthin wieder zurückschicken kann.

Die verlorene Erinnerung ist prinzipiell gut gestrickt und gut erzählt. Das Buch erinnert an Jane Austen, auch wenn es nie an die Werke der Meisterin herankommt. Dafür liegt dieser leichte Glanz der Magie über der Geschichte. Dämpfer gibts durch zahlreiche kleinere Rechtschreib- und Satzfehler sowie ungenaue Formulierungen, doch die Erzählung setzt sich drüber hinweg, wird immer besser, schwebt federleicht dahin und kommt zu einem wirklich guten Ende mit Happy End für alle Figuren und einigen Fragen, die sich der Leser selbst beantworten darf.

Potenzial verschenkt

Schade ist allerdings, dass Catherine Striker das Potenzial ihrer Geschichte nicht ausschöpft. James fehlt der Druck, in die Gegenwart zurückzukehren. Die Vergangenheit entwickelt sich prächtig für ihn. Mehr als ein Mal fragte ich mich beim Lesen: Warum bleibt er nicht einfach dort? Die Reise zurück in die Zukunft scheint ein unnötiges Risiko zu sein. Schade auch, dass die Mehrdimensionalität der Figuren nur von jeweils anderen Figuren behauptet wird. Dabei ist genau das, also die Tatsache, dass Menschen mehr als nur eine Seite haben und dass es sich lohnt, Menschen besser kennenzulernen, die zentrale Erzählidee des Buches.

„Es steckt so viel in den Menschen um uns herum, wenn wir ihnen die Zeit geben, es uns zu zeigen.“

Dieses Zitat stimmt natürlich nicht ganz. In den Menschen steckt auch dann etwas, wenn wir ihnen nicht die Zeit geben, es zu zeigen. Nur dann werden wir diese Seite halt nicht entdecken. So, wie an diesem Satz, hätte Catherine Striker an dem gesamten Buch noch etwas feilen sollen. Und so, wie James sein jüngeres Ich dazu auffordert, seinen Mitmenschen mehr Zeit zu geben, hätte auch Frau Striker ihren Figuren etwas mehr Zeit geben sollen.

Trotzdem ist Die verlorene Erinnerung ein gelungenes Debüt einer hoffnungsvollen Autorin, der ich für ihr nächstes Werk etwas mehr Geduld, eine etwas peniblere Lektorin und natürlich viel Erfolg wünsche.

Catherine R. Striker // Die verlorene Erinnerung
Erste Auflage 2019, Rezensionsexemplar
Twentysix
230 Seiten

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