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Christoph Burgmer // Rassismus in der Diskussion

Rassismus in der Diskussion

Rassismus in der Diskussion ist ein schon etwas in die Jahre gekommener Beitrag zu einem ganz aktuellen Thema. Der Herausgeber interviewt verschiedene Experten zu Themen rund um Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus usw. Eine gute Übersicht.

  • Darum lesen: Guter Ein- und Überblick.
  • Darum nicht lesen: Schon was älter, gibt sicherlich einfacher lesbare, modernere Werke.

Rassismus in der Diskussion ist mit all diesen Interviews so eine Mischung aus Anthologie und Magazin. Die Interviewform hat den Vorteil, dass der Herausgeber mehr als bei anderen Anthologieformen die Inhalte kuratiert. Die Texte sind außerdem nicht irgendwo anders erschienen, sondern ausschließlich für dieses Buch. Finde das Konzept ganz ok, andererseits hats Christoph Burgmer verpasst, dioese Vorteile zu nutzen. Also im Endeffekt hättens halt auch einfach ganz normale Textbeitrage sein können. Die Qualität so einer Anthologie hängt dann nicht zuletzt von der Zusammenstellung der Beiträge und der Autoren der Beiträge ab:

  • Robert Miles (Soziologe)
  • Edward W. Said (Mitbegründer Postkolonial Studies)
  • Albert Memmi (Rassismusforscher)
  • Günter Grass (Schriftsteller)
  • Wolfgang Benz (Antismitismusforscher)
  • Wolfgang Wippermann (Antiziganismusforscher)
  • Birgit Rommelspacher (Frauenforscherin)
  • Teun A. van Dijk (Rassismusforscher)
  • Stuart Hall (Mitbegründer Cultural Studies)

Also nur eine Frau und in erster Linie alte, weiße Männer. Die haben schon durchaus auch was zum jeweiligen Thema zu sagen, aber ob es da nicht auch andere gegeben hätte …

Die Experten blicken zwar grundsätzlich alle in die gleiche Richtung, gewisse Perspektivwechsel gibt es dennoch. Was dabei wie so oft in Rassismus-Diskussionen fehlt: Eine Definition mit welchen Begriffen man überhaupt hantiert. Stuart Hall zitiert dazu passenderweise Jacques Derrida und merkt die ständige Veränderung des Begriffsapparates an. Hilft halt aber nix. Ohne klare Begriffe wird’s schwer, effektiv über Rassismus zu reden. Was ich allerdings herauslese, sind durchaus Sichtweisen, die von vielen aktuell populären Standpunkten zum Thema Rassismus abweichen, sowas wie kein Rassismus gegen Weiße oder aber jeder Weiße ist grundsätzlich Rassist.

Liegt vielleicht auch daran, dass ich solche Sichtweisen bescheuert finde. (Auch wenns Definitionen gibt, da kommt man durchaus zu diesen Schlüssen)

Die Inhalte des Buches sind durch die vielen verschiedenen Autoren ja recht weit gestreut. Dadurch gewinnt der Leser einen Einblick in verschiedene Spielarten des Rassismus (zb. auch Antiziganismus und Antisemitismus) und in verwandte Themen wie Sexismus oder Kolonialismus. Er gewinnt außerdem einen gewissen historischen Überblick über Ursachen und Entwicklungen des Rassismus. Und trotz aller Ungenauigkeit hier und da und trotz aller Widersprüche wurde mir so manches bewusster und klarer.

Etwa den Zusamenhang von Macht und Rassismus. Oder warum Weiße in gewisser Hinsicht tatsächlich kein Opfer von Tassismus sein können.

Was natürlich im Gegensatz zu vielen aktuellen populärwissenschaftlichen Werken fehlt, im Rahmen des wissenschaftlichen Ansatzes aber auch nicht geplant war: Das Aufzeigen von Alltagsrassimus, bzw. davon, wie sehr Rassismus in unserem Alltag präsent ist.

Christoph Burgmer (Herausgeber) // Rassismus in der Diskussion
1. Auflage, 1999
Elefanten Press
171 Seiten

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