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Colas Gutman // Les inséparables Die Unzertrennlichen

Les inséparables, die Unzertrennlichen, das sind Simon und seine Schwester Delphine, die alles versuchen, um ihre geschiedenen Eltern wieder zusammenzubringen. Colas Gutman erzählt ihre Geschichte mit lotet dabei die Grenze zwischen Humor und Ernsthaftigkeit aus.

  • darum lesen: leicht, lustig, kurz. Das ernste Thema Scheidung/Patchwork wird dennoch gut behandelt
  • darum nicht lesen: nicht jedermanns Humor

Colas Gutman thematisiert in seinem Buch Les inséparables Scheidungen und was diese mit Kindern anrichten können. Erzähler ist der zehnjährige Simon, dessen Eltern sich trennen. Er und seine Schwester Delphine werden fortan zwischen Vater und Mutter hin- und hergeschoben und müssen sich irgendwie in der Patchworkfamilie des Vaters zurechtfinden. Finden beide eher uncool.

Das Buch wird aus Simons Perspektive erzählt in ziemlich kurzen Abschnitten, fast tagebuchartig. Dabei nimmt er kein Blatt vor dem Mund und zieht insbesondere über die neue Partnerin des Vaters und deren Kinder her. Klar, sie sind die größte Bedrohung für sein Familienglück. Vor diesem Hintergrund muss man auch die zahlreichen politisch unkorrekten Ausdrücke des kleinen Simon sehen.

“Papa ne sait pasque Porcinet a peur du noir, que sa nouvelle copine est tarte et qu’elle a mis au monde deux mongoliens.”

Ich finds bescheuert, das Wort “Mongo” als Schimpfwort zu benutzen. Das wertet Menschen, die an Trisomie 21 erkrankt sind ab. Schon klar, das macht hier ein 10-jähriger Junge und der ist halt etwas unreflektiert. Dennoch. Hätte ja Alternativen gegeben, Simon lässt sich sehr viele Bezeichnungen für seine Stiefgeschwister einfallen, da hätte man den Mongo auch weglassen können. Das Buchformat lässt eine Reflektion überhaupt nicht zu und so sehr das zur Altagssprache des Jungen passen mag, ich finde, der Autor hätte hier sensiler schreiben können.

Über seine eigenen Eltern schreibt Simon etwas wohlwollender aber so richtig gut kommen auch die nicht weg. In erster Linie, weil sie sich einfach bescheuert verhalten und scheinbar keinerlei Antennen für das Innenleben ihrer Kinder haben. Übrigens kommen nicht nur Simon und Delphine mit der Situation nicht zurecht, auch Pierettes (die neue Partnerin des Vaters) Kinder haben zu knabbern.

0:45: Ja n’arrive toujours pas à dormir. Porcinet parle en dormant. Il dit: “Papa, je veux mon papa.”

(Dieser Papa ist übrigens das einzige Elternteil, das im Buch überhaupt nicht auftritt.)

Diese ernste Situation lockert Gutman mit Humor auf. Simon und Delphine lassen sich allerhand einfallen, um in erster Linie den Vater und Pierette zu trennen. Zum zweiten Teil des Plans, nämlich der Wiedervereinigung kommen sie gar nicht erst. Dem Leser wird recht schnell klar, dass der Plan scheitern muss. Zu komisch sind die Tricks, zu eiskalt und ignorant die Reaktion der Eltern.

So richtige aufgelöst wird das Problem der Kinder dann auch nicht. Würde bei der Kürze des Buches dem Thema wohl nicht gerecht werden. Die vier Kinder werden noch eine Weile brauchen, bis sie sich mit der neuen familiären Situation abgefunden haben. Delphine und Simon geben ihren Plan, die Eltern wieder zusammen zu bringen, also wieder auf und schmieden dafür einen neuen Plan.

Colas Gutman // Les inséparables
Reclam-Ausgabe 2013 // 2007
Reclam // l’école des loisirs
131 Seiten

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