Machiavelli
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Der Fürst & der kleine Machiavelli

Der kleine Machiavelli stand bei mir im Büro im öffentlichen Bücherschrank. Ich las das Buch ehrlich gesagt nur, weil es klein ist, in die Jeanstasche passt und ich es deswegen überall hin mitnehmen kann. Den Fürst von Machiavelli las ich dann der Vollständigkeit halber.

  • darum lesen: Einblicke in die Staaten- bzw. Unternehmensführung. Zumindest eines der Bücher ist ein Klassiker.
  • darum nicht lesen: jenseits der Tipps eher überschaubarer Unterhaltungswert. Der Fürst hat immerhin einen gewissen philosophischen Wert.

Der Fürst

Machiavelli war ein florentiner (Stadt)Staatsmann, der nach dem Niedergang des Fürstenhauses, für das er tätig war, arbeitslos wurde. Er zog sich auf seinen Landsitz zurück, wo er Theaterstücke schrieb, seine politischen Erfahrungen niederschrieb und mit Politikern Breifwechsel unterhielt, in der Hoffnung auf eine erneute Anstellung. Auf diesem Landsitz entstand auch der Fürst, eine Sammlung an Beobachtungen, Analysen und Tipps für Herrscher. Insbesondere erhoffte sich Machiavelli, mit seinem Werk Lorenzo de Medici davon überzeugen zu können, Italien zu einen und von der Fremdherrschaft durch Spanien, Frankreich und den Papst zu befreien.

„Wohl zu merken ist, dass die Menschen entweder zur Ruhe geschmeichelt oder vernichtet werden müssen.“

Das Werk ist recht sprupellos. Machiavelli analysiert, wie sich Herrscher unter bestimmten Voraussetzungen zu verhalten haben, um die Macht zu erhalten oder zu gewinnen. Ein anderes Ziel gibt es nicht. Entsprechend rät er selbst zu Grausamkeiten und zu Gewalt. Er hat ein gewaltiges historisches Wissen und eben reichlich Erfahrung aus der Praxis. Der Text weist sich durch einen klaren, analytischen Stil aus, und folgt oftmals folgendem Ablauf:

In einem bestimmten Fall X gibt es drei Möglichkeiten. X1 verhält sich so und so, X2 so und X3 so. Wenn X1, dann Y1, wenn X2, dann Y2 und wenn X3, dann Y3. Insofern ist in den meisten Fällen X1 zu bevorzugen, manchmal aber auch X2.

„Die Menschen machen sich weniger daraus, einen zu verletzen, der sich beliebt macht, als einen, der gefürchtet wird.“

Der kleine Machiavelli

Der kleine Machiavelli weißt von alledem wenig auf. Die Autoren geben Tipps, wie Manager an die Macht kommen, bzw. diese behalten. Auch sie haben einen reichen Erfahrungsschatz aus der Praxis und der Lehre. Soweit die Ähnlichkeit.

Doch ihnen fehlt die Ernsthaftigkeit. Machiavelli ging es darum, seinen Lebensabend nicht in Armut auf seinem heruntergekommenen Landsitz zu verbringen, sondern eben in Anstellung an einem Fürstensitz. Bachmann und Noll ging es dagegen eher darum, am Ende der beruflichen Laufbahn (und sicherlich in gesicherten Verhältnissen) mit der Wirtschaft abzurechnen. Entsprechend boshaft sarkastisch ist ihr Werk geschrieben. Gerade das macht dieses Werk freilich unterhaltsam. Sicherlich ist es auch entlarvend. Aber es fehlt das gewisse Etwas, was den Fürsten zum Klassiker macht.

„Die offene Unmoral ist das sichtbarste Zeichen der Macht.“

Weder die Erkenntnisse Machiavellis noch die von Bachmann und Noll sind einfach übertragbar. Das merkt man allein daran, dass es in den mehr als 30 Jahren seit der Veröffentlichung des kleinen Machiavelli einige Managemententwicklungen gab, die das Buch obsolet machen. Dazu gehören insbesondere technische Neuerungen, die damit verbundene New Work und die wiederum damit verbundene Work-Life-Balance. Auf Großkonzerne mag so manches noch zutreffen, auf Start Ups, inhabergeführte Unternehmen und generell kleine und mittelständische Unternehmen, die 20 Jahre oder jünger sind aber eher nicht. Tatsächlich scheint der Fürst nachhaltiger zu sein.

Niccolo Machiavelli // Der Fürst
2. Auflage 2019, 2018 // 1513
Nikol Verlag
149 Seiten

Bachmann, Noll // Der kleine Machiavelli
Taschenbuchsonderausgabe 2014 // 1987
Piper
173 Seiten

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