Martin Luther, Biographie
Biographie,  lesen

Eric Metaxas // Luther

Pünktlich zum Reformationstag beendete ich Eric Metaxas Luther-Biographie. War eine interessante, gute, nicht immer einfache Lektüre. Es ist es ein populärwissenschaftliches Werk, gut recherchiert, teilweise zu detailliert und mit persönlicher Meinung angereichert.

  • Darum lesen: Gute Biographie über einen der bedeutendsten Menschen Deutschlands und der Neuzeit.
  • Darum nicht lesen: Evtl. gibts wissenschaftlich bessere Bücher?

Eric Metaxas ist Journalist und beschäftigt sich gerne mit Menschen. Mit seinen Zeitgenossen aber auch mit Helden der Vergangenheit. Seine Bonhoeffer-Biographie würde ich gerne lesen, ebenso wie sein Werk 7 Men über sieben bedeutende Männer. Seine Mutter ist deutsch, er verbrachte auch eine gute Zeit seines Erwachsenenlebens in Deutschland. Deswegen vielleicht sein Faible, gerade für wichtige Deutsche Männer. Metaxas ist außerdem bekennender Christ. Es ist diese Mischung seiner Persönlichkeit, die die Luther-Biographie für mich interessant machte. Hätte Metaxas sie nicht geschrieben, hätte ich mich wahrscheinlich nicht mit Luther beschäftigt.

Forschung oder Populärwissenschaft?

Eric Metaxas ist kein Historiker, sondern Journalist. Wie viel Forschung in seiner Biographie drinsteckt, kann ich nicht sagen. Der Historiker Wolfgang Heinrichs hat für den Klappentext folgendes Statement beigetragen:

Ein neuartiger Beitrag zur Luther-Forschung.

Ok. Was auch immer das genau heißt. Als Quellen dienen Metaxas Luthers Werke und Briefesammlungen von Erasmus von Rotterdam und Philipp Melanchthon. Dazu kommt dann noch einiges an Fachliteratur über Luther, aber weit weniger, als ich es aus anderen wissenschaftlichen Werken kenne. Metaxas räumt mit einigen Mythen auf, etwa den Thesen, dem Blitzeinschlag, der Erkenntnis auf der Toilette. Seine neutrale, differenzierte Einordnung scheint aber nicht das Ergebnis eigener Forschung zu sein.

Pageturner oder tl;dr?

Metaxas schreibt sehr lebendig, lässt seine eigene Meinung mit einfließen. Das liest sich zum Teil superspannend, die Seiten fliegen nur so dahin. Halte das für eine großartige Leistung, vor allem im Vergleich zu den verpassten Siegen, die ich etwa zeitgleich las. Mich haben vor allem die Auseinandersetzungen mit irgendwelchen päpstlichen Beauftragten gepackt, auch Luthers Flucht nach dem Wormser Reichstag. Gleichzeitig ist das Buch meines Erachtens zu lang. Ab Luthers Aufenthalt auf der Wartburg, trägt er nicht mehr übermäßig viel Spannendes zur Reformation bei. Es folgen aber noch ungefähr 200 Seiten, die das enge chronologische Korsett verlassen und mehr auf bestimmte Themen eingehen, etwa den freien Willen oder die Ehe. Diese Kapitel sind als Nachschlagewerk sicherlich hilfreich – was dieses Buch aber zu keinem Zeitpunkt sein will. Hier verliert es an Drive, man hätte problemlos kürzen können.

Viel gelernt

Ich hatte relativ hohe Erwartungen an diese Biographie – und wurde nicht enttäuscht. Metaxas ist ein toller Autor, ich werde weitere Werke von ihm lesen. Ich habe sehr viel über Luther gelernt, einige zeitgeschichtliche Zusammenhänge sind mir klar geworden. Auch theologisch habe ich einige Dinge gelernt oder neu durchdacht. Insofern: tolles Buch.

Eric Metaxas // Luther
1. Auflage 2019
SCM
585 Seiten

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