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Gerold Wolfarth // Gewinn ist nur ein Nebenprodukt

Gerold Wolfarth ist CEO eines mittelständischen Unternehmens. Einer dieser Hidden Champions. Europäischer Marktführer, alles sehr vorbildlich und so. Tatsächlich hat er einen eher unüblichen Ansatz der Unternehmensführung, denn Menschen stehen bei ihm im Zentrum. Und darüber gehts auch in Gewinn ist nur ein Nebenbprodukt.

  • darum lesen: ehrlicher Typ, interessante Geschichte, gute Tipps …
  • darum nicht lesen: … die man möglicherweise woanders schon gehört hat, stilistisch nicht das oberste Regal

Ich weiß. Menschen stehen überall im Zentrum. Angeblich. Aber bei Gerold Wolfarth scheint das keine hohle Floskel zu sein. Ich las sein Buch, weil ich ihn für einen Magazinbeitrag interviewte. Und der Eindruck, der im Buch angedeutet wird, bestätigte sich bei unserem persönlichen Treffen. Im Grunde geht es ihm um Liebe und Wertschätzuung, darum, seinem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen.

„Mein Weg der Unternehmensführung stellt den Menschen in den Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns – und zwar mit aller Konsequenz, nicht nur auf dem Papier und auf Werbebroschüren, sondern in der täglichen gemeinsamen Arbeit. Mir geht es dabei nicht nur um unsere Mitarbeiter, so selbstlos bin ich nicht. Es geht mir ebenso um mich und insbesondere um meine Frau und meine beiden Kinder.“

Sein Buch ist so eine Art Weckruf. Hört doch auf, immer nur nach beruflichem und finanziellen Erfolg zu streben, alles dem Profit unterzuordnen. Das kling eines kleines bisschen nach Antikapitalismus. Ist aber keiner. Kann er sich als CEO gar nicht leisten. Aber der Profit seines Unternehmens ist eben nur ein Nebenprodukt, wie der Buchtitel ja sagt. Und so vertritt er die These: es ist durchaus möglich, erfolgreich zu sein, seine Ziele zu erreichen und dennoch ein erfülltes Leben zu führen. Das Hauptargument, das er im Buch bringt, ist freilich sehr schwach: Bei mir hats geklappt. Das ist der Beweis. Nunja.

Zum Inhalt des Buches

Diesen Beweis breitet er im ersten Teil des Buches aus, in dem er einen Teil seiner Lebensgeschichte erzählt. Die Geschichte eines Bauernjungen, der früh eine enorme Willensstärke bewies und sich mit Glück, Verstand und Ausdauer durchkämpfte, mutig Chancen ergriff und damit halt erfolgreich war.

Was folgt, sind zehn seiner Prinzipien, nach denen er lebt, bzw. die er im Laufe seines Lebens entwickelt hat. Die sind allesamt keine Überraschungen:

  1. Klartext reden
  2. Ziele setzen
  3. aufs Wesentliche konzentrieren
  4. sich seiner selbst bewusst sein
  5. authentisch sein
  6. mutig und konsequent handeln
  7. sich selbst motivieren
  8. auf Impulse hören
  9. Dankbarkeit
  10. innerer Frieden

Diese Tipps findet man auch bei Warren Buffet, Anthony Robbins oder Thomas Härry. Einen eigenen Anstrich findet Gerold Wolfarth aber schon. Das Problem ist eher, dass sich Wolfarth mit seinem Buch an die Allgemeinheit richtet, er halt aber die Perspektive eines CEO hat. Nicht alles lässt sich auf Büroangestellte, Handwerker oder Pflegekräfte übertragen.

Der letzte Teil ist in meinen Augen nur ein Anhängsel. Wolfarth geht auf verschiedene aktuelle Themen ein, wie die Digitalisierung und schreibt seine Meinung dazu auf. Das hat allerdings relativ wenig mit Gewinn und schon gar nicht mit einem erfüllten Leben zu tun. Die wenigsten Leser dürften mit diesem Abschnitt etwas anfangen können.

Fazit

Nun, die Message ist wichtig und großartig, der Schreibstil amerikanisch und sehr persönlich, vielleicht aber etwas zu bieder. Viele Aussagen relativiert Wolfarth durch ein “meiner Meinung nach” oder ähnliche Formulierungen, was ich an sich gut finde. Aber eine Aussage macht man so nicht unbedingt stärker. Dazu kommen die nicht revolutionären Tipps und der überflüssige letzte Teil. Das Buch und die Message verliert also an unterschiedlichen Punkten Kraft, was vermeidbar gewesen wäre.

Gerold Wolfarth: Emotionale Buchpräsentation auf der Zugspitze

Gerold Wolfarth // Gewinn ist nur ein Nebenprodukt
1. Auflage 2019 // Vorabversion für die Presse
Piper
267 Seiten

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  1. Pingback: go Magazin // Porträt Gerold Wolfarth | Tisch und Sofa

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