Gottfried Keller, Gedichte, Cover
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Gottfried Keller // Ausgewählte Gedichte

Dieser Gedichtband ist eine Bücherschrankerrungenschaft. Es hat zuvor mindestens zwei Menschen gehört: Paul Bickel und Klein Fritz. Ansonsten gibts aber auch noch weitere Dinge über das Buch zu sagen.

  • Darum lesen: Klassiker der schweizerischen Literatur.
  • Darum nicht lesen: mich haben nur wenige Gedichte vom Hocker gerissen.

Klein Fritz. Da steht tatsächlich Klein Fritz vorne drin. So, als ob jemand wirklich so heißen würde. Klein Fritz aus Erlangen. Das Buch hat außerdem einem Paul Bickel gehört. Inzwischen ist es also in Ansbach gelandet, allzu weit ist es nicht gereist.

Es hat Spaß gemacht, dieses Büchlein zu lesen. Aber ehrlich gesagt, weil mir der Gedanke gefällt, dass schon viele andere Menschen – zumindest Fritz und Paul – darin gelesen haben. Ich mag es, Bücher in Frakturschrift zu lesen. Ein Fan von Keller war ich nicht und bins auch jetzt noch nicht. Dieser Gedichtband ist mir zu provinziell. Obwohls schon auch interessant ist, Gedichte zu so profanen Anlässen zu lesen. Aber ich hab mich bei der Lektüre auf Familienfeiern gesehen, irgendein Onkel liest seine Gedichte vor und das, was hier zu lesen ist, ist nur ein Stück besser.

Aufbau des Buches

Der Gedichtband wurde zusammengestellt von Adolf Frey, einem schweizer Literatuhistoriker, für den Gottfried Keller ein Vorbild war. Von ihm stand auch das biographische Vorwort. Dann folgen die Gedichte, unterteil in:

  • Buch der Natur
  • Erstes Lieben
  • Sonette
  • Feuer-Idylle
  • Rhein- und Nachbarlieder
  • Sonnwende und Entsagen [verstehe den Zusammenhang nicht]
  • Festlieder und Gelegentliches
  • Pandora
  • Trinklaube
  • vermischte Gedichte

Feuer, Zeit & Frauenfeindlichkeit

Daran erkennt man schon den lokalen und den Festcharakter des Büchleins. Die Naturgedichte fand ich relativ langweilig, das gleiche betrifft die Liebesgedichte. Da bleiben dann schon nicht mehr viele Gedichte übrig. Inspirierend fand ich „Die Zeit geht nicht“

Die Zeit geht nicht, sie stehet still,
Wir ziehen durch sie hin;
Sie ist ein Karawanserai,
Wir sind die Pilger drin.

[…]

Es blitzt ein Tropfen Morgentau
Im Strahl des Sonnenlichts;
Ein Tag kann eine Perle sein
Und ein Jahrhundert nichts.

Es ist ein weißes Pergament
Die Zeit, und jeder schreibt
Mit seinem roten Blut darauf,
Bis ihn der Strom vertreibt.

[…]

Ich mag das Konzept von Zeit, das hier angedeutet wird. Darauf würde ich gerne mal eine Zeitreisegeschichte aufbauen.

Daneben finden sich noch drei oder vier weitere erwähnenswerte Gedichte, etwa das gruselige anti-emanzipatorische „Tagelied“. Nicht weil ich die Partizipation von Frauen verhindern will. Nein, weil mich dieses Gedicht erschrocken hat. Da gehts um Freiheitsberaubung, möglicherweise sexuelle Belästigung und zwar nur, weil sich eine Frau politisch engagieren möchte. Und der Typ erzählt voller Stolz, dass alle Menschen (Männer?) gleich sind, er alle Völker befreien möchte. Aber diese Freiheit gilt natürlich nicht für Frauen.

Berufest dich auf meine eignen Lehren
Von Freiheit, Gleichheit und von Menschenrecht?
O laß, mein Kind, mit Küssen dich nekehren,
Dies eine Mal errietest du mich schlecht!

Die Ketten all, von denen ich entbinden
Die Völker möchte, o Geliebte mein!
Als Blumenketten eng dir umzuwinden
Wird einzig nur mein Tun und Trachten sein.

Brrr.

Dann gibts noch ein längeres Gedicht über einen brennenden Bauernhof und eines, das in kurzen Strophen die Schicksale von gefallenen Soldaten im laufe der Jahrhunderte erzählt.

Fazit

Ein einfaches Büchlein, platzsparend (und nicht sehr ansehnlich) gesetzt. Die Gedichte sind zum Teil banal und langweilig, offenbaren eine zum Teil schockierende (aber zeitgemäße?) frauenfeindliche Einstellung, konnten mich zT schockieren, aus meinen Gedanken herausreißen und auch inspirieren.

Gottfried Keller // Ausgewählte Gedichte
keine genauen Angaben zur Ausgabe, Anfang 20. Jahrhundert, Gedichte rund um die Mitte des 19. Jahrhunderts
J. G. Cotta’sche Buchhandlung
199 Seiten

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