Hans Dieter Otto, Verpasste Siege
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Hans-Dieter Otto // Verpasste Siege

Ich mag den Titel. Auch den Untertitel: „Tragische Niederlagen der österreichischen Kriegsgeschichte“. Und im Klappentext heißt es: „militärische Missgeschicke […], gravierende Fehlgriffe und eklatante Fehleinschätzungen.“ Nun, am Ende ist es einfach ein Buch voller Schlachtenberichte.

Manchmal ist das eben so. Da hört sich die Beschreibung von etwas deutlich besser an, als es dann tatsächlich ist. Stonehenge zum Beispiel. Das ist halt ein Haufen Steine, den man aus der Ferne angucken kann. Weiß jeder. Aber dort zu sein ist dennoch ein ernüchterndes Erlebnis. So ähnlich ist das mit diesem Buch. Sollte eigentlich klar sein, dass hier halt einige Schlachten berichtet werden. Aber ich hatte mir irgendwie mehr erwartet. Mehr Missgeschick, mehr Dummheiten.

Geschichten, wie sie im Vorwort erzählt werden. Als sich die Österreicher kampflos ergaben, weil die feindlichen Botschafter einfach behaupteten, es sei ein Friedensvertrag unterzeichnet worden. Aber davon gibts sehr wenig in diesem Buch. Mal abgesehen von den Österreichischen Generälen, die dinerpartys veranstalten und in Federbetten schlafen, Rührei frühstücken, während an der Front ihre Soldaten sterben.

Das Buch besteht aus elf Schlachten, davon neun aus den Jahren zwischen 1734 und 1805, aus dem Krieg, den Österreich gegen Preußen mit Friedrich dem Großen führte bzw. gegen Frankreich mit Napoleon. Diese neun Schlachten dokumentieren den Niedergang nicht nur der österreichischen Armee sondern gleich des gesamten Österreichs. Und ja, oftmals sah Österreich wie der Sieger aus, doch letztendlich waren es halt Schlachten, mit gewissen Vor- und Nachteilen auf beiden Seiten, mit erheblichen Verlusten, mit Fehlentscheidungen auf beiden Seiten und mit einem Sieger, der ebensogut auch als Verlierer vom Schlachtfeld hätt gehen können.

Es sind einige interessante Finten und Züge des Gegners dokumentiert, etwa Winterangriffe, heimliche Stellungswechsel ganzer Armeen und Scheinrückzüge. Vor allem aber wird durch die Bank erzählt, wie Österreich es über die Jahrhunderte scheinbar einfach nicht gebacken kriegt, den Gegner mal ordentlich auszuspionieren oder wenigstens auszukundschaften.

Hans-Dieter Otto ist Hobbyhistoriker, eigentlich Jurist. Er kann ganz gut schreiben, aber das ist alles so der biedere deutscher Stil. Ein englischsprachiger Autor hätte vermutlich mehr aus dem Stoff herausgeholt, weniger berichtet, mehr erzählt, mehr ausgeschmückt, dafür auf die viel zu langen Hintergrundberichte über einzelne Personen verzichtet. Und so ist das Buch streckenweise etwas langatmig.

Für mich insgesamt eine Enttäuschung. Hatte das Buch mehr als fünf Jahre im Regal stehen, habs jetzt endlich gelesen – und na ja. Hätte ich auch sein lassen können.

Hans-Dieter Otto // Verpasste Siege
Erstausgabe, 2012
Residenz Verlag
201 Seiten

2 Comments

  • Andi

    Grundsätzlich stimme ich deiner Kritik zu. Ich hab das Buch aber dennoch ganz gern gelesen. Es ist schon spannend zu sehen, wie kleine Unachtsamkeiten, Fehler und Vorstellungen ganze Schlachten entscheiden und Heere und Nationen in den Ruin treiben.
    Aber ja: Der Titel verspricht eine eher lockerere Form als man dann zu lesen bekommt. Wobei das vielleicht auch dem ernsten Thema (es geht ja um das Leben von tausenden von Menschen) nicht gerecht geworden wäre? Keine Ahnung. 😀

    • Matthias

      Ja, das stimmt. Auch, was das für Zeiten waren. Da schickt Friedrich seine Armee in eine aussichtslose Schlacht, bei der er selbst bei einem unwahrscheinlichen Sieg bestenfalls den Status Quo in Sachen internationaler Politik erhalten kann. Und seine Leute finden ihn super, weil er mit am Lagerfeuer der Soldaten sitzt.

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