Brumm, Panda, schwarz-weiß
Fiktion,  lesen

Helmut Barz // Brumm!

Ich mag Brumm! Die Idee, die Aufmachung, der Schreibstil. Da steckt viel Arbeit und viele Gedanken drin. Ich halte das Buch gerne in der Hand, blättere gerne darin – und trotzdem hätte ich die Lektüre beinahe abgebrochen.

  • Darum lesen: originell, toller Schreibstil, hübsche Gestaltung.
  • Darum nicht lesen: Dem Buch und seiner Hauptfigur fehlt der Eigenantrieb.

Dr. Urs A. Podini hat seine Lebensträume längst eingetauscht gegen Gehalt, Eigentumswohnung, homöopathisch dosierte Kreativität und eine Lebensgefährtin, die ihn eher duldet als liebt. Doch dann entdeckt er im Schaufenster der Boutique Transitions! ein flauschiges schwarz/weißes Kostüm …

Brumm!, Klappentext

Ein Pandakostüm. Und damit geht alles los. Podini verwandelt sich – am Ende gar kafkaesk – in einen Panda. Großartig. Liebe sowas. Erinnert mich ein bisschen an William Kotzwinkles Ein Bär will nach oben. Ist allerdings die inverse Geschichte zu Brumm!: Bei Kotzwinkles nimmt nämlich ein waschechter Braunbär menschliche Züge an.

Im Untertitel von Brumm! steht dann noch, das Buch sei eine schwarz/weiße Fabel für das postfaktische Zeitalter. Also nicht unbedingt alles ernst nehmen.

Sei du selbst, aber nimm dich nicht zu ernst

Das Buch ist toll geschrieben, humorvoll, übertrieben, zugespitzt. Super lesbar. Hat Spaß gemacht. Zum einen gehts darum, zu sich selbst zu finden, sein wahres Ich auszuleben. Gleichzeitig macht es sich über diesen Anspruch auch ein bisschen lustig. Man könnte fast meinen, der Autor Helmut Barz nimmt sein eigenes Buch nicht ganz ernst. Andererseits ist das dann aber auch die zweite Kernbotschaft: bloß nix zu ernst nehmen, vor allem nicht sich selbst.

Jede einzelne Figur im Buch, die diesen Ratschlag missachtet, wird auf die Schippe genommen. Das gilt in erster Linie für Podinis super-woke und hyperfeministische Lebenspartnerin, aber auch für allerhand weitere Figuren:

  • reiche Schnösel
  • hysterische Mütter
  • populistische Politiker
  • B-Prominenz
  • Polizisten

Dabei ist Barz alles andre als fair zu seinen Figuren. Macht aber nix, dadurch wirds erst richtig lustig. Ansonsten hat er aber Verständniss für so ziemlich jede Art und Weise, sich auszuleben. Vor allem, wenn diese Art und Weise die Art und Weise des Pandas ist.

Antriebslos

Schade, dass der Protagonist so schrecklich willenlos ist. Bis auf wenige Ausnahmen passiert die ganze Zeit etwas mit ihm. Das ist am Anfang noch ok, vor allem, weil er aus seiner zugewiesenen Rolle ja auszubrechen scheint. Aber etwa nach der Hälfte des Buches dünkt mir, dass es wohl so bleiben wird. Ab diesem Moment hätte ich das Buch eigentlich gerne abgebrochen. Das abgedrehte Ende hätte ich dann zwar verpasst, wenn ich ehrlich bin, konnte aber auch das das Buch nicht retten.

Kann schon sein, dass das irgendwie den Charakter eines Pandas zeigen soll, der in erster Linie schläft und frisst. Aber das wäre mir zu platt und vertriebt halt einfach nicht die Langweile des Buches.

So frage ich mich am Ende, was genau mir dieses Buch sagen wollte, warum ich es gelesen habe und wie es das Buch dann trotz hervorregnder Voraussetzungen und Ansätze geschafft hat, so belanglos zu werden.

Ausstattung

Brumm ist toll gestaltet. Da passt alles zusammen. Die selbstgestalteten Initialen zu Kapitelbeginn, das Autorenfoto im Fursuit. Barz zieht das Pandamotto von der ersten bis zur letzten Seite durch. Das betrifft selbst das Impressum. Großartig.

Helmut Barz // Brumm!
Originalausgabe, 2020 // Rezensionsexemplar
Edition Coeurart
429 Seiten

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