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John MacArthur // Die Liebe Gottes

Ich hasse Gott.

  • darum lesen: das Wichtigste zur Liebe Gottes – vor dem Hintergrund der Erwählungstheologie
  • darum nicht lesen: … und der hat nicht mehr übermäßig viel mit dem zu tun, was sich die meisten Menschen unter Liebe vorstellen.

Zumindest den, den John MacArthur beschreibt. Es handelt sich dabei um einen Gott, der Sünder erschafft, also Menschen, die seinen Geboten nicht folgen können. Er schickt seinen Sohn, um diese Menschen zu erretten. Welche Menschen er rettet und welche nicht, entschied er allerdings noch bevor diese Menschen überhaupt existierten. Sie können nichts dazu beitragen, errettet oder nicht errettet zu werden. Wer gerettet wird, kommt ins Paradies, alle anderen erleiden ewige Qualen. Mit anderen Worten, dieser Gott erschafft einige Menschen mit dem einzigen Ziel ewige Qualen zu erleiden. Was für ein Arschloch. MacArthur hat dennoch den Nerv, die Liebe dieses Gottes zu preisen.  Whaaat? 

Es fiel mir äußerst schwer, dieses Buch zu lesen. Habe ich letztendlich auch nicht vollständig. Immer wieder habe ich es in die Ecke gepfiffen und den das Kapitel abgebrochen. Nicht nur die Theologie trug dazu bei, die mir zutiefst zuwider ist. Auch die Selbstherrlichkeit, mit der MacArthur diese vorträgt. Dinge sind „sicherlich“, „offensichtlich“ und „zweifellos“. Insbesondere solche, denen ich mir gar nicht sicher bin, sie nur mit Schwierigkeiten nachvollziehen kann und an denen ich durchaus zweifle.

Zugegebenerweise gibt es in der Bibel einige Stellen, die von Auserwählung reden und die man durchaus auf Vorbestimmung deuten kann. Aber es gibt eben auch andere Stellen. Den Widerspruch gibt John MacArthur zu und entschließt sich dann dazu, ihn hinzunehmen. Keine Ahnung, warum er sich dann aber dazu entscheidet, gerade dieses abartige Bild von Gott zu zeichnen. Im Anhang sind vier Predigten anderer Theologen abgedruckt, die das zum Teil deutlich besser hinkriegen. Schön, dass die Predigten mit im Buch sind, schade, dass MacArthur sie sich nicht mehr zu Herzen genommen hat.

Foto: IslandsEnd // gemeinfrei

Das Buch geht laut Titel um die Liebe Gottes. Nach eigenen Angaben beginnt das Buch erst im 6. Kapitel so richtig. Vorher klärt der Autor Grundlagen, es geht beispielsweise um Gottes Zorn und darum, wie übel die Menschen sind. Bei 8 Kapiteln ist das relativ wenig Inhalt zum angekündigten Inhalt, lediglich 70 Seiten. Allerdings lautete der englische Titel auch The God Who Loves, was besser passen würde. Der Originaltitel wiederum lautet The Love of God, was dem deutschen Titel entspricht. Warum er geändert wurde, weiß ich nicht.

John MacArthur ist sicherlich ein bibeltreuer Mann, ein gewissenhafter und ehrlicher Nachfolger Jesu. Ein äußerst erfahrener Student des Wortes Gottes. Ich könnte viel von ihm lernen. Und um ihn zu respektieren werde ich die Themen Erwählung und Errettung erneut intensiv in der Bibel studieren.

Aktuell kann ich das Buch aber nur jenen empfehlen, die hardcore-calvinistisch drauf sind und an eine umfassende Vorherbestimmung der Dinge und an die Nichtexistenz des freien Willens glauben.

John MacArthur // Die Liebe Gottes
4. Auflage 2016 // 1996
Betanien Verlag // Word Publishing
231 Seiten

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