Fiktion, lesen, Lyrik
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Maria, das hab ich nicht bestellt!

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Irgendwie, irgendwo, irgendwann fiel mir dieses Büchlein mit Weihnachtsgeschichten in die Hände. Und weil grad ja Adventszeit ist, hab ichs halt mal gelesen. Hätte ich lieber bleiben lassen sollen.

  • darum lesen: humorvolle Kurzgeschichten und Gedichte auch bekannter Autoren …
  • darum nicht lesen: … wobei humorvoll natürlich Geschmackssache ist. Ich habe mich gelangweilt.

Zugegebenermaßen steh ich nicht übertrieben arg auf humorvolle Literatur. Ich bin insofern nicht gerade Zielpublikum. Es scheint freilich eins zu geben, denn das Bändchen hat eine ganze Buchreihe mit zehn Kollegen hinter sich stehen. Alle gleich aufgemacht, alle von Thorsten Saleina illustriert und diese Illustrationen sind zumindest in vorliegendem Band Maria, das hab ich nicht bestellt! auch das Beste.

Die Beiträge sind von:

  • Jess Jochimsen
  • Erich Kästner
  • Kaija Kutter
  • Paula Dehmel
  • Hugo Wiener
  • Paul Richter
  • Ludwig Thoma
  • Joachim Ringelnatz
  • Ephraim Kishon

Ok, ich gebe zu, das klingt jetzt erstmal nicht soo schlecht. Kästner, Dehmel, Richter und Ringelnatz sind allerdings mit Weihnachtsgedichten vertreten. Die sind alle ganz ok, aber es sind halt jeweils kurze Vergnügen. Dann wäre da Im neuen Jahr wird alles anders von Kishon, was gar keine Weihnachts- sondern eine Silvestergeschichte ist. Den Genderhumor darin hat mir Mario Barth reichlich verdorben, die Geschichte ist halt auch einfach recht alt, das Thema wurde von x Komikern bespielt.

Ebenso veraltet ist der Beitrag von Ludwig Thoma. Richtig eingeordnet – also locker 100 Jahre zurück – kann die Geschichte schon vergnügen.

So, jetzt zu den schlechteren Beiträgen. Der Krippenspielklamauk von Jochimsen ist einfach dämlich und unglaubwürdig. Er hat damit scheinbar sein Krippenspieltrauma aus der zweiten Klasse verarbeitet, es aber absolut nicht geschafft, sich gedanklich in die zweite Klasse zurückzuversetzen. Er schießt munter gegen die Pädagogik der 70er-Jahre, ein bisschen auch gegen Religion. Wenns mit ausreichend Talent vorgetragen wird, ist das vielleicht ein bisschen lustig.

Der Beitrag von der Journalistin Kaija Kutter lässt mich etwas ratlos zurück. Irgendwie nimmts die Geschenkeproblematik moderner Eltern aufs Korn. Aber so richtig lustig isses nich und die Pointe äußerst schwach. Das Kind versteht halt nicht, dass es nicht alles bekommt, was es auf den Wunschzettel geschrieben hat und die Mutter lässt sich davon stressen, weil sie denkt, Weihnachten wird dann ganz furchtbar, wenn Sohnemann nicht alles bekommt. Na ja.

Total bescheuert ist dann Fröhliche Weihnachten von Hugo Wiener über ein Pärchen, das sich von so einer albernen singenden Weihnachtskarte terrorisieren lässt. Zunächst mal unglaubwürdig, dass so eine Karte so lange singt, aver ok. Aber ich kann den Ärger der beiden einfach nicht lustig finden, wenn sie die Karte schlicht und ergreifend wegschmeißen könnten, um dem angeblichen Stress, den sie verursacht, aus dem Weg zu gehen. So läuft das alles viel zu gezwungen und konstruiert auf eine vorhersehbare Pointe zu.

Sprich: Lieber nicht kaufen. Am besten keines der Bücher aus der Reihe. Und wers unglücklicherweise geschenkt bekommt, kannst ja im nächsten Jahr weiterschenken. Meine Ausgabe wandert in einen Bücherschrank. Irgendwer findet sowas schon irgendwie lustig.

diverse // Maria, das hab ich nicht bestellt
1. Auflage, 2015
Coppenrath
91 Seiten

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