Mensch zu sein
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Markus Mirwald // Mensch zu sein

Aphorismen sind jetzt nicht unbedingt die Textgattung, mit der ich mich besonders intensiv beschäftige. Dabei ist es eine echte Kunst, sich kurzzufassen.

  • Darum lesen: Kalendersprüche, Ermutigungen, Sinnsprüche
  • Darum nicht lesen: … die aber oftmals einfach nicht gut sind

Ich ließ mich auf die Rezension von Markus Mirwalds Buch Mensch zu sein ein, weil es wichtig für mich ist, mich auch kurz fassen zu können. Da liegt es doch nahe, sich die Werke eines Autoren näher anzusehen, der von vorne herein großen Wert darauf legt, möglichst viel Inhalt in möglichst wenige Worte zu packen. Freilich könnte man Mirwalds Buch auch lesen, weil man gerne über die Welt nachdenkt oder sich gerne ermutigen lässt oder so. Zu diesem Zwecke lese ich dann aber doch gerne Bücher, die etwas mehr in die Tiefe gehen.

Mensch zu sein liegt bereits im dritten Band vor. Alle drei Bände sind ähnlich aufgemacht, jeweils neben einer blanken Seite ist der Aphorismus abgedruckt, einmal handschriftlich, einmal in Computerschrift. Ziemlich minimalistisch also. Sieht schon nicht ganz schlecht aus. Definitiv besser als mit kitschigen Bildern aus den 90er-Jahren. Mir ist das dennoch zu wenig Gestaltung. Wenn es schon wenig zu lesen gibt, möchte ich wenigstens was angucken können. Die Aphorismen sind außerdem durchnummeriert, in jedem Band gibts 50 Stück, in Band 3 sind demnach die Aphorismen 101 bis 150 abgedruckt.

Mensch zu sein, Innengestaltung

Die Aphorismen selbst sind – na ja – halt eine Sammlung von mehr oder weniger kurzen Sätzen. Mal besser, mal schlechter. Um ehrlich zu sein, haben mich die meisten eher nicht begeistert. Mal ein paar Beispiele:

  • „Vertrautheit erwächst aus der Nähe, die wir zulassen, ohne voreinander zurückzuschrecken.“ Ziemlich banal. Noch kürzer: „Vertrautheit wächst aus Nähe.“
  • „Manche werden scheinbar von allem verschont – auch vom Glück, sich dessen gewahr zu werden.“ Zielt so ein bisschen darauf ab, doch etwas dankbarer zu sein. Ist ansonsten aber Quatsch. Was genau soll denn alles sein, wovon manche verschont werden? Wenn man da mal so klassische Dinge durchdenkt, wie Krankheit, Regenwetter, keine Milch im Kühlschrank, Zehen angestoßen, schlechtes Feedback bekommen, versetzt/verlassen oder zurückgewiesen werden, dann dürfte recht fix klar werden. Nein, niemand wird von allem verschont. Und wenn jemand scheinbar von allem verschont wird, ist das wohl eher ein Zeichen dafür, denjenigen besser kennenlernen zu müssen.
  • „Die wirksamste Methode, eine Gewohnheit beizubehalten, ist, sie einen weiteren Tag zu pflegen.“ Ja. Und die einfachste Methode, reich zu werden, ist viel Geld zu verdienen. Die beste Methode, einen guten Aphorismus zu schreiben, ist übrigens, sich kurzzufassen und trotzdem das Wichtigste zu sagen.

Gut, das soll mal genügen. Ich hab mir allerdings sehr viele Sprüche markiert, die ich hier hätte aufnehmen können. Vielleicht aber noch ein paar Aphorismen, die ich tatsächlich ganz gut fand:

  • „Nostalgie ist der sehnliche Wunsch, die Zukunft durch die Vergangenheit zu ersetzen.“ Jo mei, stimmt schon. Halbwegs poetisch. In einem längeren Text über Nostalgie wäre dieser Satz sicherlich nicht schlecht.
  • „Nichts hält uns so wirkungsvoll von der Verwirklichung unserer Träume ab, wie die Ausarbeitung eines allzu detaillierten Plans.“ Ich mag die Getting-Things-Done-Attitüde, die in diesem Satz steckt. Auch wenn es je nach Traum natürlich deutlich wirkungsvollere Dinge gibt, die uns abhalten können. Arm zu sein beispielsweise, wenn man von Reichtum träumt.
  • „Manch ein Geschenk ist nicht Ausdruck einer Beziehung, sondern kaschiert deren Fehlen.“ Stimmt. Kenne ich. Wobei, da könnte man auch … lassen wir das.

Markus Mirwald // Mensch zu sein
Band 3, gebundene Ausgabe, 2019 // Rezensionsexemplar
Eigenverlag
100 Seiten

weitere Buchbesprechungen

(beide Rezensenten waren durchaus angetan)

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