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Ngũgĩ wa Thiong’o // Träume in Zeiten des Krieges

Träume in Zeiten des Krieges

Träume in Zeiten des Krieges ist der erste Teil einer dreibändigen autobiographischen Reihe des kenianischen Schriftsteller Ngũgĩ wa Thiong’o. Es spielt schwerpunktmäßig im kolonisierten Kenia der Nachkriegszeit.

Ngũgĩ wa Thiong’o wurde 1938 in einer kenianischen Bauernfamilie geboren. Sein Vater hatte vier Frauen und etliche Kinder, die sich alle auf dem Hof mit mehreren Hütten tummelten und eine kleine Dorfgemeinschaft bildeten. Hier beginnt Träume in Zeiten des Krieges und erzählt die Kindheits- und Jugendjahre eines der wichtigsten afrikanischen Autoren aller Zeiten. Es endet etwa 15 Jahre später mit der Ankunft Ngũgĩ wa Thiong’os im Internat der Oberschule.

Zentrales Thema Kolonialismus

Es ist eine einfache, unaufgeregte Geschichte, geschrieben in sehr klarer, neutraler Sprache. Naturgemäß liefert das Buch Einblicke in die ländliche Kultur Kenias, das Leben der Menschen. Und natürlich geht es auch um Kolonialismus. Vor allem um Kolonialismus. Die Herrschaft der Briten ist das alles beherrschende Thema nicht nur dieses Buches, sondern wohl des Lebens im Kenia der Nachkriegszeit. Alles hat letztendlich mit den Herrschaftsansprüchen der Briten zu tun:

  • Die Biographien der Brüder, die zum Teil für England im zweiten Weltkrieg kämpfen mussten.
  • Die Wahl der Schule.
  • Die Abhängigkeit von Großgrundbesitzern, wenn es darum geht, sich Geld dazuzuverdienen.
  • Die britische Rechtsprechung, die keinen Sinn für lokale Traditionen und Gepflogenheiten hat.

Ngũgĩ wa Thiong’o vertritt in seinen jungen Jahren keine klare Meinung. Er wird zur Spiegelfläche eines moralischen Dilemmas: Darf man für den kolonialstaat arbeiten, wenn das persönliche Sicherheit bedeutet? Darf man für die Unabhängigkeitsbewegung aktiv werden, wenn das bedeutet, Frau und Kind zurücklassen zu müssen? Wie weit darf man gehen, wenn der eigene Bruder der anderen Seite angehört? Und darf man in alledem seinen eigenen Weg finden – und auch noch verteidigen? Mit welchen Mitteln? Ngũgĩ wa Thiong’o gibt keine Antworten, er erzählt einfach seine Geschichte.

Das Streben nach Mehr (Bildung)

Denn natürlich – es ist eine Autobiographie – es geht es um das Leben von Ngũgĩ wa Thiong’o, das neben der immer präsenten Kolonialfrage geprägt war von dem Verlangen nach Mehr.

„Unter der Zeichnung stand: „Bitte, Sir, kann ich noch etwas mehr bekommen?“ Ich identifizierte mich mit dieser Frage, nur dass ich sie meinstens an meine Mutter richtete, meine alleinige Wohltäterin, die mir immer zusätzlich gab, wenn sie konnte.“

Mehr. Mehr Essen. Ziemlich bald aber: Mehr Bildung. Ngũgĩ wa Thiong’o dürstet danach. Der Bruder, der etwas Bildung aus seiner Zeit als Soldat mit nach Hause bringt. Der andere Bruder, der zur Schule darf und nachts lernt, die Füße in einer Schüssel Wasser, damit er nicht einschläft. Der Durst nach Wissen und Geschichten. Das Vergnügen, lesen, und auf diese Weise jederzeit in Geschichten eintauchen zu können.

„Diese Fähigkeit, in eine Welt der Magie zu fliehen, ist allein schon wert, in die Schule gegangen zu sein. Danke, Mutter, danke. Die Schule hat mir die Augen geöffnet. Als ich später in der Kirche die Worte „War blind und kann nun sehen“ aus der Hymne „Amazing Grace“ höre, muss ich an die Kamandũra-Schule und den Tag denken, an dem ich lesen lernte.“

Geschichten als Lebenselixir

Ein wichtiger Teil der Kindheit Ngũgĩ wa Thiong’os waren Geschichten. Da waren die abendlichen Treffen in der Hütte einer der vier Frauen seines Vaters. Alle kamen dort zusammen und erzählten sich gegenseitig Geschichten. Als Ngũgĩ wa Thiong’o lesen konnte, war ein stückweit unabhängig, konnte selbst jederzeit auf Geschichten zurückgreifen. Zunächst im Alten Testament, später in der Bibliothek eines Lehrers. Geschichten halfen ihm, zu verstehen, was passierte. Und noch etwas später erzählte er dann selbst Geschichten.

„Vielleicht sind es Mythen ebenso sehr wie Tatsachen, die selbst in Zeiten des Krieges die Träume am Leben halten?“

Um seine Kindheit und den Einfluss auf sein Werk als Literaturwissenschaftler und Schriftsteller geht es auch in diesem Interview:

Zur Ausstattung des Buches

Habe die Taschenbuchausgabe. Nichts Besonderes. Wie so ein Taschenbuch halt gemacht ist. Aber das Cover: Brrr. Irgendein schwarzes Kind draufgeklatscht, komisches Blumenmuster. Lustloser gehts nicht und wird dem Inhalt des Buches in keinster Weise gerecht.

Ngũgĩ wa Thiong’o // Träume in Zeiten des Krieges
Dreams in a Time of War. A Childhood Memoir
Taschenbuchausgabe, 2012 // 2010
A1 Verlag // Fischer Taschenbuch // Pantheon Books
248 Seiten

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Mein Ziel: Aus jedem Land der Welt ein Buch lesen: Read Around The World

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