Die Taube, Süskind, grau
Fiktion,  lesen

Patrick Süskind // Die Taube

Auf 100 Seiten entfaltet Patrick Süskind die Charakterstudie eines mehr oder weniger interessanten Mannes. Andere Autoren machen sowas als Vorbereitung für einen Roman. Patrick Süskind veröffentlicht es.

  • Darum lesen: interessanter Charakter, gut geschrieben.
  • Darum nicht lesen: Am Ende nicht viel mehr als eine gute Charakterstudie.

Ich kenne Patrick Süskind in erster Linie vom Parfum, das ich in der Schule las und liebte. Es steht auch heute noch im Regal, werde es beizeiten wiederlesen. Die Taube ist erst mein zweites Buch vom Autor, obwohl auch noch der Kontrabass im Regal steht.

Es geht um einen Mann, der keine Veränderung wünscht und etwas schreckhaft und ängstlich ist. Tja und dann gibts halt doch Veränderung. Eine Taube läuft im Flur des Mehrfamilienhauses, in dem er eine Wohnung besitzt, herum. Sie droht, sein Leben zu zerstören.

Das an sich finde ich schon witzig. Ist auch gut geschrieben. Aber es passiert halt wenig, sagt wenig aus. Die Taube ist – ich wiederhole mich – deswegen wenig mehr, als eine Charakterstudie. Ein Nachwuchautor würde so einen Text eher weniger veröffentlichen. Aber ein Autor, der megaerfolgreich mit einem Roman war und jetzt halt auch mal wieder was geschrieben hat, schon.

Auf dem Buchrücken ist ein Zitat vom Kölner Express abgedruckt:

Ein rares Meisterstück zeitgenössischer Prose, eine dicht gesponnene, psychologisch raffiniert umgesetzte Erzählung, die […] in ihrer Kunstfertigkeit […] an die Novellistik großer europäischer Erzähltraditionen anknüpft.

Ok, man kanns auch übertreiben. Ich mein, geht schon in die richtige Richtung. Aber so rar kanns ja gar nicht sein, wenns an eine große Tradition anknüpft. Es ist halt kein Mainstream Bestseller. Psychologisch raffiniert würde ich jetzt auch nicht unbedingt sagen. Im Gegenteil, fand die Geschichte bisweilen sogar übertrieben und unglaubwürdig. Lässt sich nur beiseiteschieben mit: „Na ja, der Protagonist ist halt so.“ Und das mit der Tradition könnte auch bedeuten, Süskind schreibt genauso langweilig, wie beispielsweise Thomas Mann hin und wieder zu lesen ist. An die Kurzgeschichten und Novellen der alten Meister kommt die Taube aber nicht heran. Der große Vorteil der Taube: die Geschichte ist recht kurz. Und so kann man dieses Büchlein schon ganz gut zwischendurch mal lesen.

Patrick Süskind // Die Taube
Originalausgabe 1987
Diogenes
100 Seiten

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