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Paul Copan // Is God a Moral Monster?

is god a moral monster, Abraham und Isaak, Kindsopfer

Im Alten Testament gibt es einige blutige Stellen. Kindsopfer, Kriegsszenen und andere Dinge, die üblicherweise niemand erleben will. Machen diese Szenen Gott zu einem Moral Monster? Zu einem Ungetüm?

  • darum lesen: apologetisches Wissen, geht tief in die Bibel, Antworten auf z.T. schwere Fragen
  • darum nicht lesen: etwas dünn, etwas polemisch, z.T. etwas unfair

Es gibt einige Stellen im Alten Testament, über die nicht gar so gern gepredigt oder auch nur gesprochen wird. Etwa wenn die Israeliten gegen ihre Feinde in den Krieg ziehen, sie besiegen und dann ganze Stadtbevölkerungen ausrotten. Klingt nach Völkermord. Je nach Sichtweise ist es das auch. Und dann fragt sich ein Christ natürlich, wie er einem Gott, der so etwas befiehlt, seine angebliche Liebe, die im Neuen Testament postuliert wird, abnehmen kann. Und Atheisten wittern die Chance, zu beweisen, dass Gott einfach nur ein blutrünstiges Monster ist und im Subtext: Ein Wesen, dass sich die Israeliten halt ausgedacht haben, um beispielsweise ihre Kriegszüge zu rechtfertigen.

„God was […] more concerned about the destruction of Canaanite religion ans idols than Canaanite peoples.“

Da wäre ein Buch, dass sich mit genau solchen schweren Stellen beschäftigt ja genau das richtige. Leider geht es Paul Copan weniger darum, schwere Stellen zu durchleuchten und zu erklären. Sondern in erster Linie möchte er Atheisten widerlegen. Notfalls auch polemisch, indem er über sie herzieht und vom sicheren Standpunkt eines Autors, der seine Debattengegner nicht zu Wort kommen lassen muss, einfach behauptet, wie klar und logisch seine Argumentation ist. Wer was andres behauptet, muss ja minderbemittelt sein.

Theologische Tiefe

Letztendlich gibts die theologische Tiefe natürlich trotzdem. Ohne sie, wäre es schwer, zu argumentieren. Aber ich hätte mir halt etwas weniger Spitzen gegen Atheisten erhofft. Zwar ist es gut zu wissen, wie man auf das eine oder andere Argument reagieren kann, aber ich hatte halt ganz einfach eine andere Vorstellung von diesem Buch.

„Many critics focus on efficiency, that it’s somehow immoral or un-Godlike to be less then efficient. But what theological reason compels us to assume that God must operate with maximum efficiency?“

An manchen Stellen übertreibt es Paul Copan meines Erachtens auch mit der theologischen Tiefe. Es ist bei einem solchen Thema absolut wichtig, manche Hintergründe von alttestamentarischen Gesetzen zu beschreiben. Das hat durchaus einen Einfluss auf die Frage, ob Gott ein Moral Monster ist oder nicht. Aber die Speisegebote haben damit eher weniger zu tun.

Zum Aufbau des Buches

Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt, der erste beschäftigt sich direkt nur mit den Neo-Atheisten. Weiter gehts mit grundlegenden Antworten auf die Frage, ob Gott ein gnädiger Herr oder ein brutales Ungetüm ist. Dann kommt der längste und interessanteste Teil, überschrieben mit dem Alltagsleben im antiken nahen Osten und Israel. Die Unterkapitel sind nach Themen sortiert, wie Patriarchat und Frauenfeindlichkeit, Sklaverei oder Kriegsführung. Zum Abschluss noch ein allgemeiner Teil, in dem es darum geht, ob es Moral ohne Gott überhaupt geben kann.

moral monster

Am Ende jedes Subkapitels gibts einige Literaturangaben für vertieftes Studium, am Ende des Buches folgen die Fußnoten, nicht gerade wenige an der Zahl. Zwischenrein gibts noch einen Abschnitt mit Diskussionsfragen zu den einzelnen Subkapiteln. Das ist eine durchaus vernünftige und gute Ausstattung.

Fazit

Trotz all der vielen wichtigen und guten Infos eher ein Einsteigsbuch, sowohl für Menschen, die sich mit atheistischer und apologetischer Argumentation auseinandersetzen wollen, als auch mit jenen, die tatsächlich Antworten auf Fragen zu den schwer verständlichen Stellen des Alten Testaments suchen.

Paul Copan // Is God a Moral Monster?
1. Auflage 2011
Baker Books
222 Seiten

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