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Peter Riedemann // Love is like Fire

love is like fire, handy

Warum ist die Liebe Gottes nur so schwer zu greifen, bzw. warum ist es so schwer, darüber zu schreiben? Mir wurde dieses Büchlein wärmstens ans Herz gelegt. Aber ich finde es ganz furchtbar.

  • darum lesen: recht gesetzlicher und bibeltreuer Ansatz, die Liebe Gottes zu verstehen.
  • darum nicht lesen: recht gesetzlicher und bibeltreuer Ansatz, die Liebe Gottes zu verstehen.

Ich finde das Buch furchtbar, weil die Liebe Gottes zur hohlen Phrase verkommt. Ich nehme dem Autor sein Liebesgestammel einfach nicht ab. So ähnlich ging es mir auch bei MacArthur schon. Und tatsächlich ähneln sich beide Bücher auf eine gewisse Weise: Die Liebe Gottes wird beteuert und von überzogen gesetzlichen und damit schon fast menschenfeindlichen Aussagen begleitet.

Der Autor Peter Riedemann wuchs in Schlesien auf und schloss sich im 16. Jahrhundert den Täufern bzw. Anabaptisten an. Er geriet im Zuge der Querelen rund um die Reformation und Gegenreformation in Österreich in Gefangenschaft und verfasste dort den Text, der in Love is like Fire ins Englische übersetzt wiedergegeben wird. Das ist ein äußerst interessanter Sachverhalt, denn er bedeutet, dass Riedemann das Buch mit all seinen Bibelzitaten höchstwahrscheinlich ohne weitere Quellen niederschrieb.

Es ist im Grunde eine Art Manifest, ein Katechismus, ein Glaubensbekenntnis. Er schreibt über die Schöpfung, das Wirken Gottes, Jesus und seinen Kreuzestod. Dabei hält er sich stark an die Bibel, lässt bestimmte Inhalte aus und legt damit einen klaren Schwerpunkt. Schon ok, wenn der Text beispielsweise für andere Gefangene gedacht war. Was mir aber insbesondere bei einer modernen Neuauflage fehlt: Bibelstellenangaben.

Im Laufe des Textes formuliert Riedemann übermäßige Ansprüche. Die niemand einhalten kann. Das ist mir einfach viel zu unbarmherzig. Ja freilich formuliert er auch phrasenhaft irgendwelches Gnadengeblubber. Aber er schafft es nicht, die Botschaft der Gnade und Barmherzigkeit miteinander zu verknüpfen.

„If I find the he [Gott] will be praised by a deed, I joyfully carry it out for God’s sake, regardless of the consequences for me. Where that is not so – where I do not find God’s praise in it – it is useless work. I should leave it undone in order that God’s name not be profaned in my work.“

Grundsätzlich ist das ein radikaler Ansatz eines Menschen, der Gott mit ganzem Herzen liebt, der sich voll mit seinem Schöpfer identifiziert. Und das finde ich an sich bewundernswert. Was mir hier aber fehlt, ist der Gedanke, dass alles, was ich tue, Gott zur Ehre gereichen kann. Beispielsweise auch Fußballspielen. Bei Riedemann klingt das aber sehr verbissen. Ja nicht Fußballspielen, das würde Gott profanieren. Was für ein Blödsinn.

Wie gesagt. Dem Autor mache ich nicht wirklich Vorwürfe. Die Gefängnissituation ist eine ganz besondere. Der Text ist auch ein tolles Dokument. Nämlich dafür, dass Menschen überall dort, wo sie unabhängig von Institutionen selbst die Bibel lesen, letztendlich zu sehr ähnlichen Ergebnissen kommen. Aber von einer Neuauflage im 21. Jahrhundert hätte ich mir einfach etwas anderes erwartet, insbesondere Quellenangaben und eine Einordnung, die über das kurze Vorwort hinausgeht.

Das Buch gibts übrigens for free im Netz:

Peter Riedemann // Love is like Fire
E-Book Ausgabe 2002 // 1545
Bruderhof Foundation
79 Seiten

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