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Reinhard Hirtler // Leben aus der Fülle des Neuen Bundes

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Der Neue Bund der Bibel, also der Bund des Neuen Testamentes ist ein Mysterium. Nicht nur in seiner theologischen, auch in seiner konkreten Bedeutung für unser Leben. Der Pastor Reinhard Hirtler hat sich dem Thema angenommen – und schießt in seiner Radikalität übers Ziel hinaus.

  • darum lesen: sehr klare und tiefgreifende Aussagen und Erkenntnisse über den Neuen Bund
  • darum nicht lesen: leider etwas dogmatisch

Ein Freund empfahl mir eine Predigt von Reinhard Hirtler. Ich gehe solchen persönlichen Empfehlungen sehr gerne nach. Und tatsächlich begeisterte mich die Predigt, weil Hirtler so klar und einfach wie ich es noch nie zuvor gehört hatte über den Neuen Bund sprach.

Weil ich der Botschaft Hirtlers genauer nachgehen wollte, las ich sein Buch und studierte die Bibel dazu.

Die Kernaussage

Hirtler sagt, wir müssten die gesamte Bibel aus der Perspektive des Neuen Bundes lesen. Und weil viele den Neuen Bund eben nicht verstehen, missinterpretieren sie die Bibel. Aus seiner Sicht hat Gott den Neuen Bund mit Jesus zu unseren Gunsten geschlossen. Es gibt also für uns keine Möglichkeit, den Bund irgendwie zu versauen oder zu brechen oder so. Wir können ihn lediglich im Glauben annehmen.

Teil des Bundes sind all die Dinge, die in den Briefen als abgeschlossen beschrieben werden. Also beispielsweise, dass wir ein Tempel Gottes sind und der Heilige Geist in uns wohnt (1. Korinther 3,16). Unsere Sünden sind vergeben und vergessen, Strafe gibt es nicht. Das ist natürlich eine schöne Botschaft. Irgendwie.

Andererseits auch nicht. Weils dann beispielsweise keine Krankheit geben dürfte. Weil wir Gott um nichts bitten dürften, abgesehen von Reife und Erkenntnis. Weil wir alles bereits haben, was wir zum Leben brauchen. Und das kann dan halt echt fies werden, wenn man dann doch krank ist oder mangel leidet und das einzige, was fehlt, laut Hirtler der eigene Glaube ist.

Um seine Aussage zu stützen geht er ziemlich in die Tiefe und belegt sie mit Interpretationen der Abrahamgeschichte, der Jesajatexte, sowie des Hebräer- und des Galaterbriefes. Was fehlt ist dagegen eine konkrete Anwendung auf unser heutiges Leben.

Zum Buch an sich

Dem Buch fehlt eine klare Struktur. Es gibt keinen roten Faden, der sich durch die Kapitel ziehen würde. Es wirkt stellenweise wie die Spontanpredigt eines Mannes, der unglaublich viel Wissen und Leidenschaft für ein bestimmtes Thema hat, dazu noch einen rieseigen Erfahrungsschatz. Hirtler selbst sagte, er könne locker 800 Seiten über das Thema schreiben, aber solche Bücher würde niemand lesen wollen. Also habe er den Stoff gekürzt und aufgeteilt, sodass es jetzt zwei Bücher mit 200 Seiten sind. Das ist freilich eine etwas zahlengetriebene Herangehensweise. Und möglicherweise hat ihm auch jemand gesagt, dass ein Kapitel 10 bis 20 Seiten haben soll. Jetzt gibts also alle zehn bis 20 Seiten ein neues Kapitel – unabhängig vom Inhalt.

Etwas verwirrend: Zitate werden genauso ausgezeichnet wie Zwischenüberschriften.

Ein kleines Fazit

Hirtler hat zum Thema sicherlich etwas beizutragen. Wahrscheinlich sogar mehr, als in diesem Buch steht. Wäre dann schön gewesen, wenn er es auch gesagt hätte. Schade außerdem, dass er all die vielen schwierigen Bibelstellen einfach weglässt. Paulus fordert dazu auf, Sünder aus der Gemeinde auszuschließen, wen sie sich nicht bessern wollen. Im Alten Testament tritt Gott durchaus als strafender Gott auf. Es gibt außerdem Hinweise im Neuen Testament, dass wir durchaus noch eine Entwicklung durchmachen müssen, nicht nir in Bezug auf Erkenntnis und unsere Jesusmäßigkeit.

Es gibt einen anderen Ansatz, den ich besser finde. Nämlich den, dass die Bibel an bestimmten Stellen von Realitäten spricht, die wir ganz einfach noch nicht sehen können, weil sie noch nicht passiert sind. Wir sind an die Zeitachse gebunden, Gott nicht. Dieser Ansatz schmälert die großartigen Versprechen der BIbel nicht, der Glaube bleibt weiterhin im Zentrum, aber es ist nicht der Glaube eines armen, schwachen Menschen, von dem letztendlich alles abhängt.

Auch wenn ich letztendlich also nicht mit Reinhard Hirtler übereinstimme, konnte ich durch sein Buch sehr viel von ihm lernen.

Reinhard Hirtler // Leben aus der Fülle des Neuen Bundes
1. Auflage 2018
Aufbruch Verlag
198 Seiten

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