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Stephan Waldscheidt // Schreiben! hoch 3

Stephan Waldscheidt betreibt einen recht erfolgreichen Blog, mit dem er sich an Hobbyautoren richtet und ihnen allerhand Schreibtipps gibt. Diese Tipps verarbeitet er auch in Büchern. Schreiben! hoch 3 ist eine Drittverwertung, drei dieser Schreibratgeber in einem einzigen Buch.

  • Darum lesen: sehr umfangreich, viele Tipps zu vielen verschiedenen Themenbereichen
  • Darum nicht lesen: reiner Bestsellerbezug, schwache Tipps zum Schreibstil, teilweise banal

Stephan Waldscheidt bietet in diesem Dreierpack wirklich viele sehr hilfreiche Tipps zu einem unschlagbar günstigen Preis von nicht einmal zehn Euro. Wer dieses Buch kauft, kann damit sein aktuelles Schreibprojekt verbessern. Das dürfte selbst für einige professionelle Autoren gelten. Einfach von vorne bis hinten durchlesen und sein Buch auf die angesprochenen Themen abklopfen. Dazu gehören insbesondere:

  • Plot
  • Erzählperspektive
  • Charakterentwicklung
  • mitreißend schreiben

Dazu eignet sich insbesondere der dritte Teil, hier gibt es nach jedem der Kapitel eine kleine Aufgabe. Sehr schön. Aber die ebenso kurzen Kapitel in den anderen beiden Bäden funktionieren prinzipiell genauso, der Leser muss sich halt selbst überlegen, wie er die soeben gelesenen Tipps anwenden könnte.

Wie erzähle ich meine Geschichte am effektivsten? Das allein sollte Ihre Richtschnur sein.

Die kurzen Aufgaben nennen sich übrigens “Schneller-Bestseller-Trick” und damit ist viel über das Buch gesagt. Es geht ncht in erster Linie darum, besser zu schreiben, sondern darum, die Chancen eines Buches auf finanziellen Erfolg zu erhöhen. Nun dürfte in vielen Fällen die finanziell erfolgreiche Version eines Buches tatsächlich auch die bessere sein, sicherlich ist das aber nicht zwangsläufig der Fall.

Hinter diesem Schwerpunkt scheint eine regelrechte Abneigung gegenüber Büchern und ihrer Autoren zu habe, die gar nicht anstreben, Bestseller zu werden. Hochwertige, anspruchsvolle Literatur, die auch mal Regeln missachtet und Dinge ausprobiert scheint nichts für Herrn Waldscheidt zu sein. Dass sich das so stark auf seine Schreibratgeber auswirkt, finde ich etwas schade, denn auch hochwertige Literatur kann sich gut verkaufen und auch Bestsellern schadet es nicht, etwas anspruchsvoller zu sein. Unterhaltung und Anspruch sind keine gegensätzlichen Pole.

Die Tipps sind großteils sehr hilfreich. Stephan Waldscheidt erklärt gut, pflegt einen einfachen und klaren Schreibstil, gibt viele Beispiele aus Büchern. Toll. Es ist fast, als ob man in der Bibliothek eines leidenschaftlichen Lesers steht und er ein Buch nach dem anderen herauszieht und besonders gute oder schlechte Stellen daraus vorliest. In so einer Situation tut man gut daran, aufzupasswn und zuzuhören. So auch in diesem Fall. Dabei muss man freilich nicht zwangsläufig immer einer Meinung mit dem Autor sein. Dennoch bleibe ich bei meiner Aussage: Wer sich auf diesen Schreibratgeber einlässt und sein Buch daraufhin überarbeitet, wird am Ende ein besseres Buch haben.

Fast jeder Roman eines unerfahrenen Autors, den ich begutachte, krankt an einer Sache – und scheitert daran: Der Held oder die Heldin ist zu passiv.

Nicht jedes Thema sitzt

Neben den oben angesprochenen Themen gitb es auch einige, die dem Autor nicht so sehr liegen. Beispielsweise die Recherche. Lieber Herr Waldscheidt:

  • Recherche ist mehr als Google.
  • Eine Google-Recherche ist sicherlich nur in den seltensten Fällen dazu geeignet, Schreibblockaden zu übrwinden.
  • Stimmt, eine ausführliche Recherche kann das Rückgrat eines Buches sein, in vielen Fällen geht’s nicht ohne.
  • Aber nein, Google, reicht dazu dafinitiv nicht aus.

Auch zum Thema Stil hat das Buch wenig beizutragen, hier greifen Hobbyautoren besser zum mittlerweile über hundert Jahre alten Klassiker Deutsche Stilkunst. Andere Tipps sind nicht stimmig oder er wendet selbst an, wovon er abrät (kursiver Schriftsatz). Layout und Typographie sind für ihn lediglich Mittel zum Zweck, beides sollte hinter der Geschichte verschwinden. Einverstanden. Wer aber wie ich zu jenen gehört, die sich auch am Artefakt Buch erfreuen und auf guten Satz, hübsche Gestaltung, ein tolles Cover Wert legen, finden dazu in diesem Buch keine Tipps.

Kaufempfehlung

Schreiben! hoch 3 ist alein aufgrund des Umfangs eine absolut sinnvolle Anschaffung für fortgeschrittene Hobbyautoren. Auch wer professionell schreibt, kann von Stephan Waldscheidt noch etwas lernen. Für Anfänger ist der Sammelband weniger geeignet, dafür fehlt die Struktur. Es sind halt Blogbeiträge, halbwegs theamtisch sinnvoll aneinandergereiht. Ein Leitfaden oder eine grundlegende Anleitung, wie man ein Buch schreibt, ist dieser Schreibratgeber nicht.

Stephan Waldscheidt // Schreiben! hoch 3 – Bessere! Romane! Schreiben! 1 bis 3
1. Ausgabe 2014
Eigenverlag
568 Seiten

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