Von der Kunst sich selbst zu führen, Andere zu führen
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Thomas Härry // (Selbst)Führung

Ich liebe diesen Typen einfach. Er schreibt klar, direkt, praktisch. Ein Mentor in Buchform. Härry überzeugt mich, weil ich das, was er schreibt, so gut anwenden kann. Seine beiden Bücher zur Führung gehören dabei unbedingt zusammen.

  • darum lesen: als Ergänzung zu anderen Leiterschaftsratgebern sehr gut, weil der Schwerpunkt auf dem Charakter des Leiters liegt – insbesondere im Doppelpack.
  • darum nicht lesen: Weil im Gegenzug klassische Inhalte der Leiterschulung recht knapp behandelt werden.

Mein erstes Härry-Buch war Von der Kunst, sich selbst zu führen. Ein großartiges Buch, das ich inzwischen jeweils zum Jahresanfang durcharbeite. Etwas später las ich auch Von der Kunst, Andere zu führen. Nun, der Name sagt es: dieses Buch richtet sich an Menschen mit Führungsverantwortung.

Und Härry meint in erster Linie Menschen, die im Reich Gottes Führungsaufgaben übernehmen. Sehr leicht lassen sich die Inhalte auf Führungsaufgaben in weltlichen Organisationen übertragen. Etwas schwieriger wirds mit der Familie. Die vier Themenbereiche, in die er seinen Ratgeber gliedert, finden sich aber überall:

  1. Selbst-bewusst führen
  2. Menschenfreundlich führen
  3. Wirkungsvoll führen
  4. Gott-gelassen führen

Es ist nicht unbedingt notwendig, die Kunst, sich selbst zu führen zuerst gelesen zu haben. Aber Härry greift selbst immer wieder darauf zurück. Einfach, weil ein guter Leiter in der Lage sein sollte, sich selbst zu führen – bzw. von Jesus führen zu lassen. Und so richtet sich der Blick im ersten Teil des Buches auf mich als Leiter selbst – und wird im zweiten Teil fast nahtlose fortgesetzt.

Von der Kunst, Andere zu führen

Der Stoff ist in 32 Kapitel untergliedert, jedes zwischen drei und elf Seiten lang. Lässt sich wunderbar am Stück durcharbeiten. Es folgen ein paar Fragen, anhand derer man seine eigene Situation reflektieren kann oder die man in der Gruppe besprechen kann. Das dauert dann etwas länger. Aber gut, wer ein Buch einfach nur durchliest, wird ohnehin relativ wenig vom Inhalt behalten und umsetzen können. Es ist also ein Arbeitsbuch. Und zwar eines, das sein volles Potenzial wohl erst dann entfaltet, wenn man es mehrfach durcharbeitet. Und genau dafür ist der Vorgänger besser geeignet. Dort standen die Fragen am Ende des Buches, sodass man beim zweiten Durcharbeiten einfach direkt die Fragen beantwortet und nur bei Bedarf noch einmal ins Kapitel hineinliest. Hier sind die Fragen am Ende des jeweiligen Kapitels.

Viele Themen kann Härry natürlich nur anreißen. Klar, über Themen wie Konfliktmanagement, Strategieentwicklung oder Teambuilding lassen sich eigene Bücher füllen. Und so unterbrach ich das Buch an spannenden Stellen, ließ mich in die Tiefe führen und las ein anderes Buch speziell zum jeweiligen Thema. Hier hätte ich mir spezifische Buchtipps zum jeweiligen Thema gewünscht und nicht nur die ungegliederte Literatur- und Anmerkungen-Sammlung am Ende des Buches.

Härry schreibt praxisbezogen, zitiert zahlreiche Größen aus der Industrie, Psychologie und Literatur, natürlich auch die Bibel. Er baut Bibelarbeiten zum Leben Jesu und zum Psalm 23 ein. Er arbeitet mit Fettungen, gut gesetzten Absätzen und Aufzählungspunkten. So lässt sich das Buch wunderbar lesen. Auch die Aufmachung ist relativ locker, mit Kontrastfarbe gedruckt und mit einzelnen hervorgehobenen Buchzitaten.

Von der Kunst, sich selbst zu führen

Von der Kunst, sich selbst zu führen ist so etwas wie ein Ersatzmentor – nicht nur für Menschen in Leitungsverantwortung. Es dreht sich um vier Bereiche:

  • Selbstverantwortung
  • Selbstklärung
  • Selbstfürsorge
  • Selbststeuerung.

Und wie ein guter Mentor stellt es Fragen. Beantworte ich sie ehrlich, kann mich dieses Buch in meiner Persönlichkeitsentwicklung weiterbringen. Allerdings ist es wie bei einem richtigen Mentor nicht mit einem Treffen, bzw. einem Mal durchlesen getan.

  • Welche Freiheiten gibt mir Gott und wie nutze ich sie?
  • Welchen Umständen fühle ich mich hilflos ausgeliefert?
  • Was hält mich davon ab, meiner Spiritualität Raum zu geben?
  • Welche Menschen gestatte ich es, in mein Leben hineinzusprechen?
  • Was sind die größten Chancen, Möglichkeiten und Freiheiten meiner aktuellen Lebensphase?

Das sind nur ein paar der einfacheren Fragen. Aber auch sie zeigen bereits, dass dieses Buch in die Tiefe geht. Es beschäftigt sich mit Identität, unbewussten Reaktionen, mit Begabung und Berufung, mit Verantwortung.

Peter Höhn schreibt zu diesem Buch:

„Leben statt gelebt werden: Dieses Buch fordert mächtig heraus, das eigene Potenzial in der Tiefe zu erfassen, mutig zu bewirtschaften und einer von Gott gegebenen Bestimmung zuzuführen. Ein inspirierender und praktischer Leitfaden für Menschen, die mehr als Work-Life Balance suchen, sondern in den sechs Hauptbereichen ihres Lebens vollmächtig und im Einklang mit ihrer Berufung regieren wollen.“

Thomas Härry // Von der Kunst, sich selbst zu führen
4. Auflage 2016 // 2015
SCM Verlag, Edition Aufatmen
355 Seiten

Thomas Härry // Von der Kunst, Andere zu führen
3. Auflage 2017 // 2015
SCM Verlag
273 Seiten

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