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Titus Müller // Des kleine Buch für Lebenskünstler

Titus Müller ist ein recht erfolgreicher und umtriebiger Schriftsteller. Offenbar hat er auch bereits ein paar Lebensweisheiten gesammelt. In seinem kleinen Buch für Lebenskünstler gibt er diese weiter. Leider bleibt das gesamte Buch konstant an der Oberfläche.

  • Darum lesen: wenn man auf Postersprühe steht, kann einem dieses Buch das Herz erwärmen
  • Darum nicht lesen: Okay, tiefer als Postersprüche ist dieses Buch schon. Aber dennoch wirklich sehr flach.

Die kleinen Dinge schätzen lernen, Dankbar sein, zur Ruhe kommen. Ja, natürlich hilft das. Haben aber schon hunderte gesagt. Titus Müller halt jetzt auch in seinem Büchlein. Aber äußerst sparsam, 40 Kapitelchen auf nichtmal 150 Seiten. Gut, muss nicht immer ein Wälzer sein und manche Dinge hat man ja tatsächlich in wenigen Sätzen gesagt. Ob Titus Müller mehr zu sagen hätte, weiß ich nicht. Und was gerade ihn dazu befähigt, Lebenstipps zu geben, weiß ich auch nicht.

Das heißt nicht, dass das, was er sagt, nicht richtig wäre. Passt schon alles. Aber mir wäre halt etwas mehr Tiefe lieb gewesen. Oder sagen wir: jedes Kapitel könnte man auch auf Buchlänge auswalzen, psychologische Erkenntnisse einfach erklären, konkrete Beispiele bringen und so weiter. Wie so ein Selbsthilferatgeber halt funktioniert. Grad Themen wie der Umgang mit dem Tod finde ich persönlich auch einfach zu intensiv, als dass man auf dreieinhalb Seiten wirklich gut darüber schreiben könnte.

Doch, Herr Müller kann schon gut schreiben und er erzählt auch einige nette Geschichten, etwa die von seinem nächtlichen Ausflug an die Ostsee oder von Alltagsbegegnungen auf der Straße. Und wer seine Tipps zum ersten Mal hört, den inspiriert das sicherlich auch. Alle anderen gähnen und würden sich wahrscheinlich einfach ein Kurzgeschichtenbuch von Titus Müller wünschen.

Was ich allerdings mag und was sich auch durch das Büchlein zieht, ist seine Demut Gott gegenüber.

„Uns Christen passiert es leider schnell, dass wir uns einbilden, Gott zu verstehen. […] Ehrlich, ich weiß vieles nicht mal in Ansätzen.“

Er spricht von sich selbst als einen Suchenden – der dennoch nicht wankelmütig von option zu Option huscht. Er will niemandem etwas vorschreiben, scheint von seiner Sicht aber dennoch überzeugt. Das finde ich sympathisch. Ohnehin die Demut. Titus Müller hat ja schon was erreicht. Keiner der obersten Liga. Aber es gibt ne Menge Autoren, die auch gerne mal ne Viertelmillion Bücher verkaufen wollen. Damit hausiert er aber nicht. Im Gegenteil. Er zeigt seine Fehler.

Das kleine Buch für Lebenskünstler ist übrigens gar kein Buch für Lebenskünstler. Das Wort kommt nur ein einziges Mal vor, im letzten Kapitel, als letztes Wort dieses Buches. Titus Müller wäre gerne ein Lebenskünstler. Da ist also wieder die Demut. Insofern ist dieses Buch auch bestenfalls eines für Menschen, die gerne Lebenskünstler werden wollen.

Titus Müller // Das kleine Buch für Lebenskünstler
1. Auflage, 2009
Brunnen
160 Seiten

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