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Tomas Sjödin // Es gibt so viel, was man nicht muss

Ja, auch ich finde meinen Alltag bisweilen zu stressig. Es gibt so viel, was man nicht muss könnte insofern eine wohltuende Botschaft sein. Leider steht diese gar nicht wirklich in Thomas Sjödins Buch.

  • darum lesen: sanfte, nette Worte. Man muss nicht das gesamte Buch lesen.
  • darum nicht lesen: teilweise arges Geschwurbel.

Tomas Sjödin ist Pfarrer und schreibt Kolumnen für eine Göteborger Tageszeitung. Dabei handelt es sich um Beobachtungen und die Einordnung derselben. Es geht ihm darum, Dinge zu erkennen, die im Alltag verborgen sind und sie so zu formulieren, dass jeder sich darin wiederfindet. Und schon in diesem Ansatz liegt ein zentrales Problem: Seine Beobachtungen und Kommentare sind nicht sehr scharf. Soll ja jeder was damit anfangen können. Ihnen fehlt es oft an Profil. Es sind Allgemeinplätze, wohltuend zwar, aber halt oft auch besinnliches Geschwafel.

Aber nein, sein Buch Es gibt so viel, was man nicht muss ist keinesfalls so übel, wie das jetzt klingt. Es sind 77 andächtige Texte, die zuvor teilweise bereits als Kolumnen veröffentlicht worden sind. Sjödin vermittelt in ihnen eine tiefe Ruhe und Gelassenheit. Man kann die Texte langsam lesen und durchatmen. Vielleicht jeden Tag einen. Oder in hektischen Zeiten den einen oder anderen zufällig ausgewählten Text. Seine Themen sind Stille, Trauer, Warten. Das Buch kann insofern wirklich ein Gegenpol zu Alltagshektik sein.

Und gerade zum Thema Trauer hätte Herr Sjödin wohl wirklich etwas zu sagen. Immerhin hat er zwei Kinder verloren und begleitete als Pfarrer viele viele Menschen bei der Verabschiedung von geliebten Menschen. Leider wird er auch hier nicht konkret sondern bleibt bei seinen beiläufigen Beobachtungen.

Aber: Es ist kein Ratgeber für gestresste Menschen. Der Titel ist griffig, hat aber nur bedingt etwas mit dem Inhalt zu tun. Es geht nicht wirklich darum, dass man bestimmte Dinge nicht muss. Es setzt Menschen nicht von falschen Erwartungen, Pflichtgefühlen, Zwängen frei. Wenn überhaupt geht es um einen gelasseneren Umgang mit ebenjenen Dingen.

Noch ein Wort zur Gestaltung: Was sollen diese Marginalien? Die Zitate sind fast willkürlich gewählt und auch noch schlecht gesetzt. Sie sollen das Buch auflockern, klar. Aber da hätte dem Buch grade bei diesem Theme Weißraum viel besser zu Gesicht gestanden.

Thomas Sjödin // Es gibt so viel, was man nicht muss
1. Auflage 2018, Rezensionsexemplar
SCM Verlag
251 Seiten

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