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John Eldredge // Der ungezähmte Mann

Der ungezähmte Mann, Felsen, Holz

Habe den ungezähmten Mann nun zum zweiten Mal gelesen. Nicht aus Qualitätsgründen, sondern einfach zusammen mit einigen andern Männern. Hat getaugt.

  • Darum lesen: Anders, als es scheinen mag, ganz und gar nicht engstirnige Tipps für Männer.
  • Darum nicht lesen: Man muss sich halt über gewisse Stereotype hinwegkämpfen.

Nicht nur John Eldredge, auch sein wohl erfolgreichstes Werk Der ungezähmte Mann ist alt geworden, nächstes Jahr wird es 20. Aber John scheint ein großartiger Typ zu sein, wenn man dieser Videoserie Glauben schenken mag und sein Buch ist durchaus ein Klassiker der christlichen Männerliteratur. Immerhin ist eine Bewegung daraus entstanden.

Zum ersten Mal las ich das Buch vor vielen Jahren, nun also zusammen mit einigen Kumpels. Hängengeblieben ist mir von damals der Gedanke der einen großen Wunde, die uns im Laufe unseres Lebens zugefügt wurde. Dieses Mal wars eher der Gedanke des Kampfes.

Johns Perspektive

John Edlredge ist Vater von drei Söhnen und evangelikaler Christ. Er liebt die Natur und Filme, insbesondere Filme über Helden, kämpfende Männer, die ihre ganze Kraft zusammennehmen müssen, um zu siegen. Aus dieser Perspektive schreibt er über Männer, die mit ihrer Männlichkeit in der Krise stecken. Nicht unbedingt aus persönlichen, mehr aus gesellschaftlichen Gründen.

Männer scheinen ein Problem zu sein und wenn nicht, dann zumindest jede Menge Probleme zu haben. Mansplaining, Manspreading, weiße alte Männer, toxic masculinity, um nur ein paar Schlagworte zu nennen. Mal abgesehen davon, wird Mannsein an sich von manchen in Frage gestellt.

„Alles entscheidet sich daran, wie wir mit unserem Herzen umgehen. Ein Mann muss wissen, dass er Macht hat, er muss wissen, dass er das Zeug dazu hat, ein ganzer Kerl zu sein.“

Die Krise der Männlichkeit sieht John unter anderem auch in der Kirche, in der Männer lieb, nett und freunlich sein sollen. Mehr nicht. Und gegen diese Krise schreibt John an. Für mehr Kampf im Leben eines Mannes, für ein gefährliches Leben, für mehr Mut und Verantwortung.

Simpler Schreibstil

Seine Botschaft verpackt er nicht sehr sorgfältig. Es geht eigentlich die ganze Zeit nur um Braveheart, den zweiten Weltkrieg, Cowboys und Ritter. Sehr amerikanisch alles. Zwar kritisiert er Machos und aufgeplusterte Pfauen, Männer, die glauben, anderen etwas beweisen zu müssen. Aber ingesamt scheint sein Rollenverständnis schon sehr klassisch zu sein.

„Mein Vater lehrte mich angeln. Wir verbracheten lange Tage gemeinsam in einem Boot. Ich werde nie vergessen, wie stolz mein Vater war, wenn ich dann mal einen Fiasch am Haken hatte. Dabei war der Fang niemals das Eigentliche. Es war das Glück, der Kontakt, seine männliche Gegenwart, sie sich in solchen Momenten auf mich übertrug.“

Wem das nicht gefällt, wird sich schwertun, auch wenn Eldredge immerwieder relativiert und zugibt, dass er halt so schreibt, wie er ist und man das alles nicht so ernst nehmen sollte. Das ist schade, denn so klassisch und engstirnig ist seine Botschaft gar nicht. Im Gegenteil.

Die drei Aufgaben eines Mannes

Eldredge macht im Leben eines Mannes drei Kernaufgaben aus:

  • einen Kampf gewinnen
  • ein Abenteuer bestehen
  • eine Prinzessin erobern

Und dabei wird er verlieren. Etwa, weil er den Kampf verbissen sieht oder glaubt, immer und überall gewinnen zu müssen, weil er sich nicht wagt, das Abenteuer überhauot zu beginnen, weil lieber den einfachen Weg der Pornografie nimmt. Und dergleichen.

Dahinter steckt die Wunde, die üblicherweise vom eigenen Vater zugefügt würde, der halt einfach nicht der Traumvater sein konnte. Der selten da war, der brutal war, der emotional abwesend war, … was auch immer. Und diese Wunde heilt nicht einfach so. Ein Mann weiß nicht, dass er das Zeug zum Mann hat, sagt er. Und im Grunde ist alles, was falsch läuft im Leben eines Mannes Kompensation oder basiert auf falschen Männerbildern oder ist Selbstbetrug.

„Habe ich es drauf? Habe ich die Kraft? […] Viele Männer quälen sich ein Leben lang mit dieser Frage herum – oder sind innerlich verkrüppelt durch die Antwort, die man ihnen gegeben hat.“

Der Ausweg

Einen Ausweg nennt Johne Eldredge nicht. Keinen wirklichen. Denn helfen kann nur Gott und zwar höchst individuell, jedem persönlich, ohne festgelegten Fahrplan. Es geht darum, seine Bestätigung nicht mehr im Kampf, dem Abenteuer und der Prinzessin zu suchen, sondern von Gott zu empfangen und das zu entdecken und zu tun, was Gott in einen hineingelegt hat.

So richtig hilfreich ist das natürlich nicht. Weil eine persönliche Beziehung, wie Eldredge sie beschreibt, hat nicht jeder und Eldredge sagt auch nicht, wie man sie bekommt. Ich würde sagen, dass ich eine solche Beziehung zu Gott habe. Und im Gegensatz zu meiner letzten Lektüre hats dieses Mal Klick gemacht. Ich habe etwas verstanden und bin jetzt bereit, mein Leben mit all seinen Herausforderungen als Kampf anzunehmen – mir aber dennoch zuzugestehen, diesen Kampf immer wieder zu verlieren.

„Also kommt im Leben eines Mannes unvermeidlich der Tag, an dem er alle Sicherheiten hinter sich lassen und mit Gott ins Unbekannte aufbrechen muss.“

John Eldredge // Der ungezähmte Mann, Wild at Heart
10. Auflage 2008 // 2001
Brunnen Verlag // Thomas Nelson
278 Seiten

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