Fiktion, lesen, Sachbuch
Schreibe einen Kommentar

Wally von Wallisburg // Die Eismumie

Wie starb Ötzi? Wurde er ermordet? Warum und von wem? Der erste Cold Case der Geschichte, witzelt Wally von Wallisburg – und gibt satirische Antworten.

  • darum lesen: schön abgedreht und unkonventionell
  • darum nicht lesen: fremdenfeindlich, wenn nicht gar rassistisch, mit Fehlern gespickt

Satire darf alles, heißt es. Finde ich zwar nicht, aber gut, wollen wir mal nicht so sein und diese Prämisse dem Buch zugrunde legen. Dann ist Die Eismumie eine abgedrehte Kurzgeschichte voller politisch unkorrekter Äußerungen. Allerdings ohne jeglichen Spannungsbogen oder das überhaupt irgendetwas passieren würde. Es ist eher ein satirischer Essay. Die Frage, wie Ötzi denn nun wohl gestorben ist, ist dabei nur ein Vehikel, mit dem Wallisburg seine fremdenfeindlichen und verschwörungstheoretischen Thesen transportiert. Ziemlich dünn das alles. Kennt man so oder so ähnlich von der AfD und einigen ihrer Wähler.

Wir sind also von Umvolkung bedroht. Und das sei ja nur eine Wiederholung der Geschichte. Ötzi steht quasi für Deutschland oder aber gleich das ganze Abendland nördlich der Alpen. Er wurde zwar nicht von Afrikanern getötet, sondern aus versehen von seinem Sohn, dem dummen und ungeschickten Lefty. Man sieht schon: richtig viel Mühe hat sich Wallisburg nicht gegeben, seine politisch rechten Ansichten zu verstecken. Ehrlich gesagt mag ich es, wie abgedreht und bescheuert das alles ist. Über “Schwarzaffen” und seine Umvolkungsthesen kann ich dennoch nicht lachen. Niveauvoll ist das alles schon gar nicht.

Mal abgesehen vom Inhalt: Finde es etwas befremdlich, eine Kurzgeschichte als eigenständiges “Buch” zu veröffentlichen. Wally von Wallisburg tuts trotzdem. Den Text streckt er mit Bildern und großer Schrift, kommt dann auf etwas über 40 Seiten, packt ein überflüssiges aber immerhin vom Stil her passendes Glossar dazu (weil abgedreht), führt seine Werke auf, wie es in den Büchern der großen Schriftstellern ja auch manchmal gemacht wird und fordert den Leser zu Amazonkommentaren auf. In einer halben Stunde hat man das Werk gelesen. Für fünf Euro ein teurer Spaß.

Die paar Seiten sind übrigens übersäht mit Rechtschreib- und Textsatzfehlern. Seitenzahlen gibt’s sowohl am oberen als auch am unteren Seitenrand. Laut Impressum wurde das Buch lektoriert. Kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht ist das Impressum allerdings Teil der Satire. Und weil Satire alles darf, dürfen ein Satiriker und sein Lektor auch eine eigene Rechtschreibung verwenden.

Wally von Wallisburg // Die Eismumie
Rezensionsexemplar, 2018
Amazon
60 Seiten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.