Tittenschweinchen
Fiktion,  lesen

Wally von Wallisburg // Tittenschweinchen

Wien ist eine Nekropole. Steht hinten auf dem Klappentext. Und: Wer Sex sucht, oder jemanden zum Umbringen, der geht nach Wien. Damit wäre der Inhalte des Buches tatsächlich recht exakt wiedergegeben. Sex und Totschlag.

  • darum lesen: Falls jemand Gefallen an der Aneinanderreihung von Sex und sexualisierter Gewalt hat.
  • darum nicht lesen: Falls jemand außerdem Interesse an einer Geschichte, an Spannung oder auch nur etwas Horror hat. All das fehlt nämlich weitgehend.

Tittenschweinchen ist ein Sammelband von Psychopathen 1 und 2. Wobei keines dieser Bücher ohne das andere funktioniert. Es gibt noch einen dritten Teil, Tittenschweinchen ist aber in sich abgeschlossen. Erzählt wird das Leben des Serienmörders Kurt Stadler und soll wohl so eine Art Psychografie eines Killers sein, zeigen, wie ein Mensch zum Mörder wird. Das Buch erinnert grob an die Serie Dexter, an Sieben, 8mm, American Psycho oder auch an I Spit On Your Grave. Solche Sachen. Was aber fehlt, ist die subtile Gesellschaftskritik, Charaktertiefe, Spannung, ja, selbst Schockermomente und echter Horror fehlen weitgehend.

Das hat einen Grund: Wallisburg ist von seiner Geschichte komplett überfordert. So scheint es mir jedenfalls. Andernfalls müsste ich darauf schließen, der Autor habe nur ein Ventil gesucht, seine kranken Fantasien aufzuschreiben.

Das Buch ist in weiten Teilen als Bericht geschrieben, die perspektive des neutralen Beobachters wird ständig mit der der jeweiligen Figur, die im Mittelpunkt steht, verwechselt. Die Sprache ist durchgehend einfach, die häufigsten Wörter dürften „Hure“ und „ficken“ sein. Insbesondere Frauen, Akademiker und Ausländer werden ständig beschimpft und natürlich auch umgebracht. Die Mörder dürfen ihre rassistischen und frauenfeindlichen Äußerungen frei heraustrompeten, niemand widerspricht ihnen, niemand hat ihnen etwas entgegenzusetzen. Außer vielleicht Walli, der Kommissar, der allerdings ziemlich schwächlich rüberkommt und letztendlich überwunden wird und mit Amnesie im Krankenhaus erwacht.

In einer früheren Version des Textes behauptete ich, Walli würde am Ende des Buches sterben. Das stimmt natürlich nicht.

Alle Figuren bis auf ein paar ganz seltene Nebenfiguren sind entweder Opfer, werden also vergewaltigt oder zumindest missbraucht, und zwar als Kind schon – und natürlich bestialisch ermordet. Oder sie sind Täter. Das ganze Buch von der ersten bis zur letzten Seite geht ausschließlich um Mord, Vergewaltigung und ganz wenig einvernehmlichen Sex. Keine Ahnung, wem so etwas gefallen sollte.

Oben im ersten Absatz habe ich zum Teil wirklich heftigen Stoff aufgezählt. Gefällt mir nicht alles, aber ich kann die Faszination, die jeweils davon ausgeht, verstehen. Bei Tittenschweinchen nicht. Ich selbst hätte das Buch am liebsten nach rund 70 Seiten abgebrochen. Sobald ich die Rezension fertiggeschrieben habe, werde ich das Buch wegschmeißen.

Zum Abschluss noch einige Dinge, die nicht gelungen sind:

  • Das Intro ist eine Art Selbstvorstellung des Killers – hat aber kaum etwas mit dem Killer zu tun, wie er im Buch beschrieben wird.
  • Gegen Ende hat auch die zweite Killerin die Chance, sich in einer Art Manifest zu äußern. Und auch das hat mit dem restlichen Buch kaum etwas zu tun.
  • Es gibt einen erstaunlich gut gelungenen Cliffhanger – der allerdings gefaket ist. Wäre er perspektivisch richtig geschrieben, wäre das einzige bisschen Spannung, das das Buch zu bieten hat, nach etwa einem Viertel dahin.
  • Das Buch ist schlecht gesetzt, insbesondere Satz- und Anführungszeichen bereiten dem Autor Probleme.
  • Ganz wenig wird anhand einer Handlung gezeigt. Die Morde und Vergewaltigungen werden berichtet. Charakterzüge und Eigenschaften werden in erster Linie einfach nur behauptet und beteuert.
  • Die vulgäre und einfache Sprache, die zwar vielleicht zum Killer Kurt passt, zieht sich durch das komplette Buch, egal aus welcher Perspektive gerade berichtet wird.

Fairerweise will ich auch noch ein paar positive Dinge loswerden:

  • Es gibt aufs Buch verteilt drei oder vier Szenen, die wirklich gut geschrieben sind.
  • Laut Danksagungen hat Wallisburg ziemlich viel recherchiert.
  • Ok, das wars, mehr fällt mir einfach nicht ein.

Wally von Wallisburg // Tittenschweinchen
Sammelausgabe der Bände 1 und 2 2017 // kostenloses Rezensionsexemplar
Amazon Publishing
535 Seiten

2 Comments

  • Wally von Wallisburg

    Lieber Matthias !

    Wenn du Kommentare löscht, dann wäre es ehrlicher und konsequenter auf deiner Homepage erst gar keine anzubieten, nicht wahr ?

    Gan – bei, Wally

    • Matthias

      Hallo Wally,
      keineswegs. Die Kommentarfunktion ist ein Feedbackangebot für den Leser eines Textes. Wir das Angebot missbraucht, lösche ich Kommentare.
      Cheers,
      Matthias

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