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Wayne Grudem // Systematic Theology

Was für ein Brocken von Buch. Wayne Grudem breitet auf knapp 1.300 Seiten evangelikal-calvinistische Ansichten zu den wichtigsten Theologischen Fragen aus. Mal abgesehen von der theologischen Lehrrichtung: ein didaktisch hervorragend aufgemachtes Buch.

  • darum lesen: knappe, aber dennoch fundierte Antworten zu den wichtigsten thologischen Fragen mit reichlich Zusatzinfos.
  • darum nicht lesen: wem die evanglikal-calvinistische Theologie nicht schmeckt wird das Buch trotz seines Gewichts das eine oder andre Mal in die Ecke pfeffern wollen.

Gleich vorneweg: ich stehe nicht auf Grudems theologische Richtung. Ich las das Buch, weil das in einem Theologiekurs ausschnittweise gefordert war. Außerdem schadet es nicht, seinen Horizont ab und zu mal zu erweitern und sich intensiv mit fremden Sichtweisen auseinanderzusetzen. Und in seiner Aufmachung ist Systematic Theology eine reine Freude.

Es gibt 57 Kapitel zu einzelnen Themen wie “Die Unfehlbarkeit der Schrift” oder “Der neue Himmel und die neue Erde”. In jedem Kapitel wird geschildert, was die Bibel zum Thema sagt, außerdem welche unterschiedlichen Sichtweisen es in der Theologie gibt. Jedes Thema hat eigene bibliographische Angaben mit den wichtigsten Büchern, sortiert nach theologischer Lehrrichtung, sowie populärwissenschaftliche Sachbücher. Es gibt Fragen, um sich auf persönlicher Ebene mit dem Thema auseinanderzusetzen, passende Bibelverse zum auswendiglernen und sogar Lieder, die dem deutschen Leser freilich weniger bekannt sein dürften und sich insofern weniger zum Mitsingen eignen dürften.

Die Kapitel sind in sieben Doktrinblöcke eingeteilt:

  • Das Wort Gottes
  • Gott
  • Der Mensch
  • Christus und der Heilige Geist
  • Erlösung
  • Die Kirche
  • Zukunft

Im Anhang gibts dann noch zahlreiche historische Glaubensbekenntnisse, eine Übersicht der Lernverse und Lieder, einen Glossar und verschiedene Indexe sowie natürlich die vollständigen Literaturangaben.

Das heißt, ausgehend von einer Bibel und diesem Buch kann man richtig tief in das Selbststudium der Theologie einsteigen – und zwar unabhängig davon, ob man jetzt Katholik, Lutheraner, Evangelikaler oder was auch immer ist.

was mich stört, ist die nach meinem Geschmack etwas zu häufige Verwendung des Wortes “certainly”. Das ist halt ne Meinung des Autors, eine Interpretation und gerade bei Abwägungen verschiedener theologischer Lehrmeinungen ist dieses Wort einfach fehl am Platze.

Natürlich stören mich auch einige theologische Aussagen, etwa zur Prädestinationslehre, aber das will ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen, das ginge zu weit. Etwas ausführlicher habe ich meine Kritik an dieser Lehre in meiner Buchbesprechung zu Die Liebe Gottes geäußert.

Wayne Grudem // Systematic Theology
überarbeitete Ausgabe 2000, 1994
Zondervan
1.167 Seiten

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