Wie man einen verdammt guten Roman schreibt, Tastatur, Laptop
lesen,  Sachbuch,  schreiben

James N. Frey // Wie man einen verdammt guten Roman schreibt

Wie man einen verdammt guten Roman schreibt gehört zu den Klassikern unter den Schreibratgebern. In bestimmten Bereichen ist er wirklich klasse – hat aber auch erhebliche Schwächen.

  • Darum lesen: Klassiker, gut recherchiert, der Autor ist selbst sehr belesen, was Schreibratgeber angeht.
  • Darum nicht lesen: In erster Linie Theorie, keine Praxis. Hat außerdem in bestimmten Bereichen Schwächen.

Dachte ja früher, wer einen Roman schreiben will, muss das von sich aus können. Es handelt sich schließlich um eine Kunst, nicht um schnödes Handwerk. Was für eine Fehleinschätzung. Immerhin sind die allermeisten guten und erfolgreichen Künstler auch gute Handwerker. Sie waren nicht alle in Schulen oder Ausbildungen, viele sind Autodidakten, andere haben immerhin ein ähnliches Handwerk erlernt. Fast immer stecken hinter großer Kunst viele Stunden an Praxis und jede Menge Leidenschaft. Das reine Genie gibt es nicht.

Insofern gibt es für Autoren wenig besseres, als sich weiterzubilden, zu lernen. In Workshops, von einander, aus Büchern. James N. Frey weiß das und scheint jede Menge Schreibratgeber gelesen zu haben. Zumindest gibt er nicht nur eigene Weisheiten weiter, sondern zitiert allerhand weitere. Unter anderem Aristoteles und seine Poetik, wohl den ersten Schreibratgeber überhaupt. Seine Inhalte vermittelt er in erster Linie Anhand einiger Romane:

  • Charles Dickens // Ein Weihnachtslied in Prosa
  • Gustave Flaubert // Madame Bovary
  • Ernest Hemingwas // Der alte Mann und das Meer
  • Ken Kesey // Einer folg über das Kuckucksnest
  • John Le Carré // Der Spion der aus der Kälte kam
  • Vladimir Nabokov // Lolita
  • Mario Puzo // Der Pate

Also alles großartige, erfolgreiche Werke.

Unterhaltung vs. Kunst

Diese Werke kann man durchaus als Kunst bezeichnen, doch Frey geht es um Unterhaltung. Insbesonder Kunst um der Kunst willen ist ihm zuwider und so lässt er sich beispielsweise an den Imagisten aus, für die literarische Symbole wichtig waren – die allerdings lediglich in der Kommunikation zwischen Autor und Leser eine Rolle spielen, nicht für die Figuren. Für Frey eine Katastrophe, er sieht sich mehr in der Tradition klassischer Geschichtenerzähler am Lagerfeuer. Unterhalten muss es. Dann ist es gut.

Der Aufbau des Buches

Um das zu erreichen, braucht es laut Frey in erster Linie drei Dinge:

  • eine gute, neuartige, glaubwürdige Figur
  • … die jede Menge Konflikte austragen muss
  • und eine klare Prämisse, also eine Art Grundaussage, die die Wandlung der Figur miteinschließt.

Genau diese drei Punkte erscheinen mir auch am klarsten herausgearbeitet und recht hilfreich zu sein. Tatsächlich ist es mir mehrfach passiert, dass ich dem Autor in Gedanken widersprach und einige Argumente hervorbrachte, die er dann einige Absätze später selbst nannte und überzeugend widerlegte. Insbesondere die Notwendigkeit einer Prämisse leuchtet mir inzwischen ein.

„Bestürzt, sagt Miss Owen, sei sie nach Hause gegangen und habe lange nachgedacht. Sie ließ jede Geschichte, die sie geschrieben hatte, unter dem Aspekt der Prämisse Revue passieren und kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die meisten Geschichten, die sie nicht verkauft hatte, hatten keine Prämisse, und jede einzelne, die verkauft hatte, hatte eine.“

Natürlich hat James Frey noch viel mehr zu sagen, weitere Inhalte des Buches:

  • Das ABC des Erzählens
  • Erzählperspektive
  • Dialoge
  • Überarbeitung

Und hier finde ich Wie man einen verdammt guten Roman schreibt eher schwach. Vor allem fehlt ein roter Faden. Man könnte sagen, eine Prämisse. Es ist, als ob Frey halt ein paar Dinge zusammenschmeißt, die er sonst noch sagen wollte. Es gibt ein Kapitel über die Erzählperspektive, das Thema taucht aber plötzlich bei den Dialogen wieder auf. Ohnehin scheint er zu Dialogen wenig sagen zu können, in das entsprechende Kapitel mischt er allerhand weitere unpassende Inhalte hinein. Schade. Auch das Kapitel über Überarbeitungen finde ich enttäuschend, noch enttäuschender das letzte Kapitel, in dem er versucht, zu erklären, wie man als Schriftsteller durchhalten kann.

Mangelhafte Didaktik

Das Buch ist aus den 80ern und richtig praktisch werden Schreibratgeber häufig nicht. Gut fände ichs trotzdem. Das das geht, zeigt Frey selbst, am Beispiel zur Prämisse. Frey hat sich einige Szenen einer Geschichte ausgedacht, der Leser darf streichen, was unwichtig ist. Hätte man an vielen Stellen einbauen können und hätte gerade die Teile, die von der Theorie her schwach sind, etwas belebt. Grad bei den Dialogen oder beim Kapitel zur Überarbeitung hätte sich sowas ja angeboten.

Nun, trotz einiger Schwächen halte ich Wie man einen verdammt guten Roman schreibt für einen guten Schreibratgeber. Insbesondere, was die Kapitel über die grundlegenden Dinge wie Figur, Konflikt und Prämisse angeht.

James N. Frey // Wie man einen verdammt guten Roman schreibt
Taschenbuchausgabe 1993 // 1987
Emons // St. Martins
199 Seiten

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.