Kamkwamba, der Junge, der den Wind einfing
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William Kamkwamba // Der Junge, der den Wind einfing

Was für ein Buch. Seine ganze Kraft entfaltet es erst im letzten Drittel. Aber wie gewaltig es dann ist! Eine Botschaft der Hoffnung für Afrika und alle Menschen weltweit, die von einem besseren Leben Träumen.

  • Darum lesen: inspirierend & ein kleines Stück afrikanische Geschichte.
  • Darum nicht lesen: Um das Windrad gehts nur in der zweiten Hälfte des Buches.

Mein Cousin lebt und arbeitet derzeit als Lehrer in Malawi. Und so erfuhr ich 2019 aus drei verschiedenen Richtungen von der gleichen Geschichte: Er berichtete von William Kamkwamba, bei meinen Eltern lag das Buch auf dem Couchtisch und die Verfilmung des Buches wurde veröffentlicht.

Die Afrikaner machen jeden Tag das Beste aus dem Wenigen, das sie haben. Mit ungeheuerer Kreativität stellen sie sich den Herausforderungen des Landes. Wo die Welt Müll sieht, sieht Afrika Recycling. Wo die Welt Abfall sieht, sieht Afrika einen Neuanfang.

Erik Hersman

Der Junge, der den Wind einfing ist oberflächlich eine Geschichte über das erreichen der eigenen Träume trotz vieler Hindernisse. Und so liest sich das Buch auch, genau wie so viele andere Geschichten mit diesem Motiv. Natürlich ist es doch eine ganz eigene Geschichte, zum einen, weil sie passiert ist. Zum anderen, weil sich die Geschichten, die das Leben spielt, nicht immer an klassische Plotstrukturen halten. Das trifft auch auf die Geschichte, die im Jungen, der den Wind einfing erzählt wird zu.

Die Geschichte

William wächst auf dem Land auf, irgendwo in Malawi, seine Familie lebt vom Mais- und Tabakanbau. Es reicht geradeso, um die Familie zu ernähren und die Schule zu finanzieren. Strom gibts keinen.

Wer geht schon abends um sieben ins Bett? Der Großteil Afrikas!

Alles ändert sich mit einer Hungersnot. Die Regierung hat vermutlich die Maisreserven ins Ausland verkauft, dann kommt die Dürre. Die Menschen verkaufen alles, was sie haben, um irgendwas zum Beißen zu bekommen. Für Williams Familie hat das Folgen. Zwar stirbt keiner, doch ist kein Geld mehr für die vergleichsweise lukrativen Tabakanbau mehr da – und für die Schule auch nicht. Also lernt William allein.

Meine Reise hatte in der winzigen Bücherei von Wimbe begonnen, ihre drei Regale hatten für mich das ganze Universum bedeutet. Doch nun bekam ich eine Vorstellung von der wirklichen Größe des Universums und wie eingeschränkt mein Zugang zu ihm doch war. Es gab so viel zu sehen und zu tun. Mir wurde ein bisschen schwindlig.

In dieser Bücher lernt er viel über Physik, Elektrizität, Windräder. Und William baut selbst eins,

Ich sagte ihm, ich hätte zwei Ziele: weiter zur Schule zu gehen und ein größeres Windrad zu bauen, um die Felder meiner Familie damit bewässern zu können, damit wir nie wieder hungern müssten. Am malawischen Standard gemessen sind solche Ziele ausgesprochen hoch gesteckt.

Solides Fundament

Die Geschichte von diesem Jungen aus der Armut, der sich selbst bildet und aus einem Haufen Schrott ein Windrad baut, klingt in wenigen Worten erzählt spannender und spektakulärer als sie wirklich ist. Deswegen beginnt William Kamkwamba viel weiter vorne. Er erzählt ausführlich über seine Kindheit, die Farm seiner Eltern, das Dorf, das Land. Er erzählt von der korrupten Regierung und vom Hunger. Ihm ist es wichtig, dass der Leser nachvollziehen kann, wie das Leben in Malawi so ist und was dieser Hunger bedeutet.

Dieser Hintergrund ist ein äußerst solides Fundament für die Geschichte vom Windrad. Der Leser kann erahnen, was es bedeutet haben muss, Strom zu erzeugen, die Abendstunden nutzen zu können, die Menschen vor dem Haus zu sehen, die anstehen, um ihre Handys aufladen zu dürfen, endlich wieder zur Schule gehen zu dürfen, ein Stipendium zu erhalten, das Internet kennenzulernen, nach Amerika zu fliegen.

Ein Buch für Afrika

Der Junge, der den Wind einfing ist ein Buch über Armut und Hunger, darüber, wie das Leid des Alltags jede Zukunftsperspektive überdeckt. Über Magie und den Zauber des Geschichtenerzählens. Über Wissenschaft und die Macht der Bücher. Es ist eine Geschichte über Afrika, welches Potenzial hier schlummert und darüber, wie es geweckt werden kann. Es ist ein hoffnungsvolles Buch über einen Jungen, der nicht zur Schule gehen konnte und der einfach das tat, wozu ihn seine Leidenschaft trieb.

Aufgrund der großen Armut in unserem Land verlieren wir die ganze Zeit Talente wie dieses. Und selbst wenn wir sie wieder zur Schule schicken, bekommen sie wahrscheinlich keine gute Ausildung.

William Kamkwamba mit Brian Mealer // Der Junge, der den Wind einfing
The Boy Who Harnessed The Wind
Deutsche Erstausgabe 2010 // 2009
Irisiana // William Morrow
375 Seiten

#ReadAroundTheWorld

Mein Ziel: Aus jedem Land der Welt ein Buch lesen: Read Around The World

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